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Die

künstlichen

Berge


M. Eray Özkan

Chih-Hsing Shen

Gartenkultur in China und chinesischen Gärten in Deutschland

Die künstlichen Berge

Wang, Shin-Buo

 

Die künstlichen Berge sind Hügel, die von Menschen gebaut werden. Die Idee der künstlichen Berge ist von den echten Bergen abgeleitet worden: In früherer Zeit wußte man nicht, wie man Hügel baut. Durch Zufall wurde beim Anlegen eines Kanals und Ausbaggern eines Flusses die ausgegrabene Erde zu einer Hügelform aufgeschüttet. Später entstanden auf dem Hügel Unebenheiten und anschließend kam es zum Pflanzenbewuchs. Dieser Hügel war einem echten Berg sehr ähnlich. Auf diese Weise wurde der Hügelbau entdeckt. Der Zeitpunkt der Entstehung ist jedoch nicht bekannt. Im Buch ?Lun-Yü", Aussprüche und Gespräche des Konfuzius¡¦ (vor ca. drei tausend Jahren), kommt der Hügelbau bereits vor. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde keine schriftliche Niederlegung über das Motiv des Hügelbauens gefunden. Man schätzt, dass Hügel zuerst beim Bau großer Grabanlagen der Herrschaften und später als Elemente des Gartenbaus verwendet wurden. In der Literatur ?Han-Guan-Dien-Zhe" aus der Han-Dynastie wurde der Hügelbau beschrieben, der zugleich den Anfang des herrschaftlichen Gartenbaus kennzeichnet. In der selben Epoche im Zhu-Tu-Garten von König Lian-Shao entwickelte sich eine andere Methode des Hügelbaus, nämlich durch das Stapeln der Steine zu einem künstlichen Hügel. Danach wurde die Technik der Steinstapelung verbessert und im Gartenbau häufig benutzt. Deshalb assoziiert man mit dem Hügelbau vor allem die Steinstapelung. Aber im Prinzip werden alle Hügel von Menschen künstlich angelegt, sowohl die Erdaufschüttungen als auch die Steinstapelungen.

Die Formen der echten Berge sind zwar sehr vielfältig, sie können aber grob in drei Sorten geteilt werden: Erdberge, Steinberge und die Mischform aus beiden. Die unterschiedlichen Bergformen repräsentieren den Charakter der verschiedenen Gebiete, und sie beinhalten zudem ihre variationsreiche Umgebungslandschaft. Die Methoden des Hügelbaus sind durch die Imitation echter Berge gekennzeichnet. Die Prinzipien des Hügelbaus entstanden durch die Entwicklung verschiedener Ausdrucksformen bzw. besonderer Objekte und wurden danach für den Gartenbau verwendet. Die Nachbildung der Natur bis hin zur Schaffung neuer Umgebungen im Hügelbau stellt ein bedeutendes kulturelles und künstlerisches Fach der Architektur in China dar.

Der Hügelbau ist eine künstliche Nachbildung reeller Berge. Seine Theorien ähneln der der chinesischen Landschaftsmalerei. Deswegen wird fälschlich die Meinung vertreten, dass die berühmten Hügelbauten überwiegend von den Landschaftsmalern geschaffen worden seien. Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Landschaftsmalerei und Hügelbau liegen darin, dass es sich im ersten Fall um eine zweidimensionale geistige, im zweiten Fall um eine dreidimensionale körperliche Arbeit handelt. Die Beiden haben zwar einen ähnlich künstlerischen Gehalt, aber die Ausführungstechnik ist sehr unterschiedlich. Beim Hügelbau kann eine Veränderung nicht einfach herbeigeführt werden. Der Hügelbau muß von einem erfahrenen Meister geleitet werden.

In China gibt es viele Gartenbeispiele. Allein in der Stadt Su-Zhou existieren, ohne die Innenhof-Gärten miteinberechnet, mehrere hundert Gärten. Zählt man die Hügelbauten aller Gärten zusammen, so kommt man auf eine beträchtliche Zahl. Obwohl nicht alle Hügel als gelungen zu bezeichnen sind, sind doch die meisten Arbeiten sehenswert. Die gelungenen Beispiele sind nicht unbedingt unter der Mitwirkung der Landschaftsmaler entstanden. Im Text von Li-Yü in der Qing-Dynastie gibt es eine Beschreibung über das Hügelbauen von Gartenmeistern, die Hügel ohne die Beratung von Landschaftsmalern schufen. Die Einbeziehung von Landschaftsmalern würde zwar zu einer Erhöhung des künstlerischen Niveaus beim Hügelbau führen, doch die Leistung werden in erster Linie durch die Erfahrungen und das Technikverständnis des Gartenmeisters bestimmt. Aufgrund des weitgehend niedrigen Ausbildungsstands der Gartenmeister und der geringen praktischen Erfahrungen der Landschaftsmaler und Literaten mit dem Gartenbau kam es nicht zu einer schriftlichen Sammlung der Erfahrungen im Gartenbau in Fachbüchern. Gegenwärtig existiert lediglich das Yüen-Ye (chinesisch: Yüen=Garten; Ye=Bauen) als einzige Fachliteratur vom Gartenmeister Ji-Chen aus der Ming-Dynastie, das sich in einem Kapitel mit der Methode des Gartenbaus beschäftigt. Ji-Chen war ein Intellektueller, der zugleich auch über praktische Erfahrungen mit dem Gartenbau verfügte. Die Beschreibungen in seinem Werk dienen noch heute als Grundlage für den Gartenbau.

 

Kapitel 1: Die Erde

Im Text von Li-Yü (Qing-Dynastie) wurde ein Teil über den Hügelbau geschrieben, worin er unter anderem vorschlägt, für die großen Hügelbauten Erde und für die kleinen Hügel Steine aufzuschütten. Dadurch soll bei großen Hügelbauten eine Erleichterung der Arbeit und die Einsparung von Steinmaterial erreicht werden. Der Vorteil bei der Verwendung von Erde liegt darin, dass künstliche Hügel von den natürlichen nicht zu unterscheiden sind.

"(...) Wenn beim großen Hügelbau nur Steine verwendet werden, ist es als ob hundert Mönche in ihren Gewändern nebeneinander stehen würden; es ist unmöglich keine Lücke zu sehen. Daher kann man diese Hügel nicht lange ansehen. Wenn die Lücken mit Erde gefüllt sind, wirkt der Hügel natürlich und außerdem kann man ihn bepflanzen. Durch das Wurzelwerk der Bepflanzung wird die Stabilität des Hügels verbessert und durch den Bewuchs wirkt der Hügel natürlich, so dass man ihn von einem echten Hügel nicht unterscheiden kann."

"(...) Diese Methode erfordert keine strenge Regelung des Verhältnisses zwischen Erde und Steine. Man kann nicht behaupten die Hälfte Erde und die andere Hälfte Stein wäre das richtige Verhältnis. Wenn ein Hügel zum größten Teil aus Erde besteht, dann ist es ein Erdhügel mit Steinen und der umgekehrte Fall ist ein Steinhügel mit Erde. Erde und Steine gehören zusammen, wenn bei einem Hügelbau nur Steine verwendet werden, wachsen keine Pflanzen. Es ist ein kahler Hügel."

"(...) Der kleine Hügelbau sollte nicht ohne Erde sein. Bei diesem Fall stehen die Steine im Mittelpunkt und die Funktion der Erde dient zur Ergänzung."

"(...) Die Erde ist nicht so vielseitig wie die Steine, denn die Steine können wie eine Wand stehen, aber die Erde zerfällt. Daher sollte außen Steine und innen Erde benutzt werden."

Viele Beispiele für die Anwendung der oben genannten Methoden von Ji-Chen findet man in den Gärten von Su-Zhou vor. In diesem Zusammenhang sollte aber noch eine Ausnahme erwähnt werden: Die Methode des Erdhügels mit Steinen, bei dem die Steine in der Erde stecken, so dass nur die Spitze leicht herausragt, findet insbesondere in den japanischen Gärten Verwendung, jedoch in den Gärten von Su-Zhou hingegen selten.

 

Kapitel 2: Die Auslese der Steine

Aufgrund der Verbesserung der Methoden bei der Steinstapelung gewann die Verwendung des Steins beim Hügelbau zunehmend an Bedeutung. Deshalb mußten geeignete Steine für den Hügelbau gefunden werden. Dies führte zu einer Vielfalt bei der Verwendung der Steinsorten. Zunächst spielten die Sorten und die Herkunft der Steine nahezu keine Rolle, doch allmählich gewannen zunehmend spitze Steine bestimmter Steinsorten, mit spezifischer Herkunft an Bedeutung.

Unter den Intellektuellen entwickelte sich das Sammeln außergewöhnlicher Steine zu einer beliebten Mode. Aufgrund der verschiedenen ästhetischen Kriterien nach denen Steine ausgewählten wurden, erhöhte sich die Zahl der Steinsorten, die sich der Beliebtheit erfreuten und verstärkt auch beim Hügelbau als ästhetische Elemente eingesetzt wurden. Hierdurch verloren die Kriterien, nach denen die Auslese der Steine getroffen wurde, wieder zunehmend ihre Bedeutung, mit der Folge, dass sich eine gewisse Beliebigkeit bei der Verwendung der Steine für den Hügelbau einstellte.

 

Bai-Jü-Yi, ein bedeutender Poet der Tan-Dynastie, hob in seinem Werk die Bedeutung der Herkunft der Steine hervor. Als die Schönsten bezeichnete er die vom Tai-See stammenden Steine, gefolgt von denen aus Lou-Fu (?) und Ten-Ju (alte Bezeichnung für Indien). Dadurch gewannen vor allem die Steine vom Tai-See an Berühmtheit und Beliebtheit. Die Auslese der Steine fand unter Berücksichtigung der Kriterien, der Schlankheit, der geschwungenen Oberflächen, der reichen Formensprache und des Vorhandenseins eines oder mehrerer Löcher, statt. Die Intellektuellen schufen zunächst ein ästhetisches Ideal, aus denen Kriterien abgeleitet wurden, nach denen die Hügelbaumeister die Auslese der Steine vornahmen. Die Steine vom Tai-See entsprachen in Form und Farbe dem ästhetischen Anspruch im besonderen Maße, weshalb sich ihre Verwendung im Hügelbau auf ganz China ausdehnte.

 

Ji-Chen (Ming-Dynastie) schrieb im Yüen-Ye einen Kapitel, der sich ausschließlich mit dem Thema der Auslese der Steine befaßt. Hierin sind einige nützliche Anweisungen enthalten, wie z.B. der Hinweis, dass Steine der näheren Umgebung verwendet werden sollten, um den Aufwand für den Transport zu verringern. Die Hinweise für die Auswahl favorisieren insbesondere Steine mit einem hohen Härtegrad, hoher Stabilität und geringer Rissgefahr.

"Die Qualität der Steine ist vorrangig. Da eine zu starke Maserung die Stabilität der Steine verringert, sollten die Steine nicht zu viel Maserungen aufweisen."

"Steine mit außergewöhnlichen Formen sollten nur an bestimmten Stellen einzeln verwendet werden. Aus Gründen der Widerstandsfähigkeit sollte auf die Wahl bescheidener Formen geachtet werden."

"Man kann unterschiedlich geformte Steine verschiedener Berge für den Hügelbau verwenden"

Die Eigenschaften der verschiedenen Steinsorten wurden durch Bai-Jü-Yi niedergeschrieben:

 

Die Steine vom Tai-See

Die Steine vom Tai-See stammen ursprünglich vom Berg Dung-Ting in der Stadt Su-Zhou. Ihr Fundstelle befindet sich in der Nähe von Wasser. Die Steine sind hart und glatt, und besitzen zum Teil außergewöhnliche Formen bzw. Löcher. Einige weisen eine weiße, andere hellgrüne bzw. dunkelgrüne Farbgebungen auf. Sie fallen durch eindrucksvolle Maserungen und geschwungene Formen auf. Die Verwendung großer Steine vom Tai-See im Gartenbau hat eine lange Tradition, wobei sie z.B. als Einzelstücke vor den Wohnzimmern oder neben exotischen Pflanzen plaziert werden.

 

 

Die Steine aus Kun-Shan

Die Steine aus der Stadt Kun-Shan, am Berg Ma-An sind von einer roten Erdsorte umgeben. Nach der Ausgrabung der Steine, bedarf es großer Bemühungen die weiße Orginalfarbe wieder zum Vorschein zu bringen. Sie eignen sich besonders für die Dekoration von Bonsais, jedoch nicht zur Gestaltung größerer Objekte.

 

 

Die Steine aus I-Shin

Die Steine aus der Stadt I-Shin stammen aus der Nähe des Klosters Shan-Jüen auf Bergen, die meist von Flüssen und Bambuswäldern umgeben sind. Die Eigenschaften einiger Steine ähneln denen vom Tai-See, andere sind geprägt durch eine dunkelgelbe Farbgebung und einer groben Oberfläche. Eine weiße Sorte besitzt einen geringen Härtegrad und eignet sich daher nicht für den Hügelbau.

 

 

Die Steine aus Long-Tan

In der Nähe der Stadt Jin-Lin, von der Ortschaft Chi-Shin-Guan bis zur Ortschaft Jen-Tuo, liegen unterschiedliche Steinsorten vor. Einige befinden sich auf der Oberfläche, andere sind von der Erde halb bedeckt. Eine Sorte weist eine grünliche Farbe und eine ähnliche Qualität wie die Steine vom Tai-See auf.

 

 

Die Steine aus den Chin-Long-Bergen

In der Stadt Jin-Lin, auf den Chin-Long-Bergen gibt es eine Steinsorte mit großen Löchern, die sich besonders als Spitzstein eignet.

 

 

Die Steine aus Lin-Bi

In der Stadt Lin-Bi findet man eine sehr harte Steinsorte, die tief unter der Erde vorkommt. Sie eignet sich gut für kleine Landschaften oder als Brief-Beschwerer.

 

Die Steine aus Jien-Shan

Auf dem Berg Jien-Shan, im Süden der Stadt Jen-Jian existieren einige Steinsorten, die sehr unterschiedliche Eigenschaften und interessante Formen besitzen. Eine Steinsorte ist gelb, glatt und hart. Eine weitere ist dunkelgrün, hat Löcher und eignet sich für den Hügelbau.

 

Die Shüen-Steine

Die Shüen-Steine stammen aus der Stadt Ning-Guo. Es sind weiße Steine, die in roter Erde vorkommen. Je älter die Steine sind, desto weißer sind sie.

 

Die Hu-Ko Steine

In der Stadt Jian-Zhou findet man Steine im Fluss vor, die als Hu-Ko-Steine bezeichnet werden. Eine Sorte mit einer grünlichen Farbe eignet sich für den Hügelbau, da sie in Form und Farbe bereits die echten Berge widerspiegelt. Eine weitere Sorte ist flach wie eine Platte bzw. ein scharfes Messer.

 

Die In-Steine

Die Steine der Stadt In-Jo unterscheidet man in verschiedene Sorten. Eine davon ist hellblau und mit weißen Streifen durchzogen, eine dunkelgrau und eine weitere ist hellgrün und besitzt Löcher. Alle Sorten eignen sich als Brief-Beschwerer, für den Bonsai und für kleine Landschaften.

 

Die San-Bin Steine

Die San-Bin-Steine stammen aus den Bergen im Süden der Ortschaft Chao-Hu. In Größe und Form sind sie sehr unterschiedlich. Die Steine sind dunkelblau, sehr hart und ähneln aufgrund ihrer bescheidenen Maserung den Steinen am Tai-See.

 

Die Gelben-Steine

Die Gelben Steine kommen überall vor. Sie zeichnen sich durch eine sehr stabile Qualität und schöne Maserungen aus. Man findet die Steine u.a. auf den Bergen Huan-San, Zau-Feng-San und Tuan-San. Die meisten Menschen heben lediglich den harten und bescheidenen Charakter der Steine hervor, aber im Grunde eignen sie sich auch für den Hügelbau sehr gut.

 

Die Jin-Chuan Steine

Bei den Jin-Chuan-Steinen sollte man vor allem die Älteren verwenden. Es gibt eine vielfarbige Sorte und eine grüne Sorte, die eine tannenbaum-ähnliche Maserung aufweist. Insbesondere die großen Steine der grünen Steinsorte eignen sich für den Hügelbau sehr gut.

 

Von den dreizehn oben beschriebenen Steinsorten, eignen sich sechs, nämlich die vom Tai-See, aus Long-Tan, Jien-Shan, Shüen, San-Bin und die Gelben-Steine, gut für den Hügelbau. Der Gelbe-Stein wurde von Ji-Chen in besonderem Maße hervorgehoben, weil dieser an vielen Orten anzutreffen ist, dennoch sich durch seinen hohen Härtegrad und durch seine elegante Maserung hervorhebt. Ji-Chen lebte in Südchina. Er vertrat die Meinung, dass man die Steine aus der näheren Umgebung auswählen solle, deshalb entsprechen die oben genannten dreizehn Steinsorten dem Vorkommen in Südchina.

 

Kapitel 3: Die Klassifikation der Steine

Das Ziel beim Hügelbau ist die Schaffung unterschiedlicher Landschaften, wobei diese wiederum unterschiedliche Strukturen beinhalten.

 

Große Hügel

Die großen Hügel sind in Relation zu den kleinen Hügeln zu sehen. Sie haben eine bestimmte Größe und sind abhängig von der Größe der Hügelbauten und der Geographie der Umgebung. Sie sollten den Charakter der reellen Landschaften widerspiegeln. Deshalb darf der Hügelbau nicht als Einzeldekoration verstanden werden, sondern muß als eine Gesamteinheit behandelt werden. Große Hügel sind ein notwendiger Bestandteil der großen Gartenanlagen. Sie bestehen zum größten Teil aus Erde.

 

Kleine Hügel

Das Setzen kleiner Hügel kommt meist in kleinen Gärten vor. Die Lage der kleinen Hügel steht in enger Beziehung mit dem Gebäude oder dem Teich. Im Innenhof verwendet man sie häufig als Landschaftsminiaturen, welche im Kapitel über den Hügelbau im Yüen-Ye, durch die Unterscheidung des Hügelbaus in verschiedene Kategorien, wie z.B. vor dem Wohnzimmer, vor dem Gebäude, vor dem Pavillon, vor dem Lesezimmer, im Gebäudeinnern, neben dem Teich und zur Symbolisierung der ?Steilen Berge", beschrieben wurden. Hügel neben einem Teich werden häufig in kleinen Gartenanlagen verwendet. Man kann sie bei den meisten Beispielen der Stadt Su-Zhou sehen. Die ?Steilen Berge" stehen oft vor den Wohnzimmern, weil ihre Oberfläche fast so eben ist wie Papier und ihre Maserung einer Kalligraphie ähnelt.

 

Die Spitzsteine

Es gibt zwei Sorten von Spitzsteinen, wovon eine allein auf einem Sockel gestellt wird und die andere zusammengesetzt zu einer Gruppe von mehreren Spitzsteinen erscheint. Die alleinstehenden Spitzsteine werden meistens in den Innenhöfen und für die Teiche verwendet. Einige werden auch an exponierten Stellen errichtet.

Folgende Anordnungen der Spitzsteine kommen zur Anwendung: Die Platzierung eines einzelnen Steins, die unregelmäßige Anordnung von Spitzsteinen und die Zusammenfassung der Steine zu unterschiedlichen Gruppen.

Die Hügelspitze

Die Hügelspitze wird häufig durch das Aufstellen eines Spitzsteins an der höchsten Stelle des Hügels gebildet. Bei großen Hügelbauten sollte man insbesondere darauf achten, dass die Rangordnung und die Höhe der Hügelspitze den natürlichen Bergen entspricht. Dies gilt auch für kleine Hügelbauten.

 

Der hervorkragende Stein

Der hervorkragende Stein ist der hervortretende Teil des Hügels. Man verwendet ihn bei großen Hügelbauten meist neben dem Wasser oder einem Weg und bei kleinen Hügelbauten neben der Wand.

 

Löcher

Die durch das Stapeln der Steine absichtlich gebildeten Löcher, ähneln Höhlenwohnungen. Sie werden häufig im unteren Bereich der Hügel angelegt. Sie erzeugen eine durchgehende Wegführung im Hügel. Den Hügelbereich oberhalb der Löcher kann man als Terrassen bepflanzen oder auf ihm einen Pavillon oder ein Gebäude errichten.

 

Die Kluft

Die Kluft ist die tiefste Stelle zwischen den Hügeln, sie ist wie das Tal zwischen zwei Bergen.

 

Der Abhang

Der Abhang ist steil. Er ähnelt dem hervorkragenden Stein, ist jedoch nicht herauskragend, sondern so gerade wie mit der Axt geteilt. Er wird oft neben dem Tal benutzt.

Der Fluss

Wenn im Tiefpunkt zweier Hügelbauten kein Wasser vorliegt, so handelt es sich um ein Tal, befindet sich jedoch zwischen ihnen Wasser, dann handelt es sich um einen Fluss.

Der Wassermund

Beim Wassermund gibt es zwei Fälle: Einer ist die Zustromquelle und der andere der Sammelpunkt des Flusses. Die Zustromquelle befindet sich meist im unteren Teil des Hügels, angepaßt an die Höhenentwicklung und Morphologie des Hügels.

 

Die Ufereinfassung

Die Ufereinfassung verwendet man bei den Teichrändern. Sie hat drei Funktionen:

a. Beim Hügelbau im Teich wird durch die steile Ufereinfassung ein kontrastreicher Übergang zum Wasser geschaffen.

       b. Die Ufereinfassung verhindert den Erdeinsturz am Ufer.

Durch den steilen Übergang wird eine Vergrößerung der Wasserflächen erzielt, daher sollte die Ufereinfassung vor allem bei kleinen Gartenanlagen verwendet werden.

 

Das Blumenbeet

Das Blumenbeet wird meist im Innenhof zusammen mit den Spitzsteinen angelegt oder am Hügelbauch angeordnet, um die darin befindlichen Pflanzen zu betonen.

 

Kapitel 4: Das Stapeln der Steine

Das Stapeln der Erde zu einem Hügel ist die fundamentale Arbeit beim Gartenbau. Für diese Arbeit benötigt man zwar nicht unbedingt Fachleute, sie ist dennoch nicht einfach zu bewältigen. Vor dem eigentlichen Stapeln der Steine sollte man einen ungefähren Gesamtplan anfertigen. Die genaue Größe und Höhe der Hügel sollte hingegen bei der Gestaltung an die spezifische Topographie angepaßt werden. Im Grunde gibt es beim Hügelbau keine bestimmte Formel, im Folgenden werden lediglich einige Hinweise genannt:

Im Text von Li-Yü in der Qing-Dynastie gibt es einen Abschnitt über das Hügelbauen. Er verwendete hierbei die Theorien der Literatur und der Malerei für die Bildung von Metaphern beim Hügelbau. Er betonte zudem, dass man sich beim Hügelbau an den Gesamtplan halten und sich nicht in kleine Details verlieren sollte.

Die Formen der Berge sind vielfältig. Es gibt sie mit nur einer Spitze, mit zwei sich gegenüber stehenden Spitzen, als Plateaus, viele zusammen als Hochgebirge, welche zum Teil kleine Häuschen beherbergen, manchmal ist ein Fluss zwischen zwei Bergen usw. Beim Entwurf des Hügels müssen vorerst die Haupt- und Nebenthemen und die unterschiedliche Entfernungen der Hügel zueinander in etwa feststehen. Dies ist die zentrale Aufgabe des Hügelentwurfs. Anschließend werden die genauen Positionen der Hügel nach der Entwurfsidee festgelegt und der gesamte Lageplan auf die Hügelpositionen abgestimmt. Die Haupthügel sollten mit den wichtigsten Gebäuden in Beziehung gesetzt werden. Diese Haupthügel dienen den Hauptgebäuden als Hintergrund. Wenn die Berge als Hauptthema im Hügelbau gewählt werden, dann sollte deren Morphologie außergewöhnlich sein und die verschiedenen Hügel sollten stark verdichtet werden. Wenn Wasser als Hauptthema gewählt wird, so werden die Hügel verstreut um die Wasserflächen angeordnet. Diese Prinzipien werden sowohl beim Erdhügelbau als auch beim Steinhügelbau angewandt.

Bei der Planung des Erdhügels muß zuerst die Höhe und die Breite der Hügelspitzen und die Größe des Hügelfundaments bestimmt werden. Die Hügelspitze und das Hügelfundament stehen in einer bestimmten Proportion zueinander, sonst kommt es zu einer ungewollten Verschiebung der gegenüberliegenden Hügel in Größe und Position. Wenn auf der Spitze ein Gebäude angeordnet wird, sollte die Höhe und die Größe des Gebäudes miteinberechnet werden. Die Beziehung zwischen Höhe und Breite spiegelt sich in der Neigung des Hügels wider. Im Prinzip sollte die Neigung zwischen 15¢X und 45¢X liegen. In besonderen Fällen kann die Neigung abweichen, denn in erster Linie ist darauf zu achten, dass die Hügel sich der Topographie des Ortes unterordnen. Die oben genannten Prinzipien gelten lediglich für den Erdhügelbau, jedoch nicht für den Steinhügelbau.

Der Steinhügelbau stellt ein eigenes Fachgebiet dar, welches ein spezifisches Wissen über die hierfür notwendigen Techniken erfordert. Die Meister des Steinhügelbaus sind ausschließlich ausgebildete Personen, die sich stark mit der Formgestaltung auseinandersetzen (jedoch nicht mit der Präzision eines Bildhauers). Daher ist es notwendig die Methoden des Steinhügelbaus genau zu erläutern:

 

Die Bewertung der Steine

Die Bewertung der Steine ist der erste und zugleich der wichtigste Schritt beim Hügelbau. Nach der Entscheidung für eine bestimmte Steinsorte sollte man sich mit den Eigenschaften der unterschiedlichen Steine sehr gut auskennen, um beurteilen zu können, welche Steine später als Fundamentstein, welche als Spitzstein, welche nach außen gesetzt, welche im Innern verwendet werden sollen. Darüber hinaus muß der Meister über die Fähigkeit verfügen zu erkennen, welche Steine harmonische Maserungen zueinander aufweisen, welche Steinhärten sich für die unterschiedlichen Bereiche des Steinhügels eignen, usw. Diese Fähigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass die Gestaltung des Steinhügels nicht drunter und drüber verläuft.

 

Die Einschätzung der Steingewichte

Die verschiedenen Steinklumpen weisen unterschiedliche Gewichte auf. Wenn bestimmte Steinklumpen verwendet werden sollen, müssen ihre Gewichte zuvor durch eine erfahrene Person abgeschätzt werden. Erst dann ist es möglich das entsprechende Transportmittel bereitzustellen. Für einige große Steinklumpen benötigt man mechanische Hebeanlagen. Das Einschätzundsvermögen der nötigen Transportmaßnahmen der Steinklumpen aus hohen bzw. unterirdischen Bereichen der Berge ist von besonderer Wichtigkeit.

 

Das Legen eines Fundaments

Die Theorien des Hügelbaus sind denen des Hausbaus ähnlich, d.h. zuerst muß ein Fundament gelegt werden. Die Größe und Tiefe des Fundaments ist abhängig von der Größe des Hügelbaus. Normalerweise dienen Holzpfähle als Fundament. Wenn der Preis für Holz ungünstig sein sollte, kann man es auch durch den Mao-Tiao-Stein (chinesisch, Mao=Haar, Tiao=länglich) ersetzen. Heutzutage benutzt man Beton als Fundament. Die Praxis des Hügelbaus hat aber gezeigt, dass sich das Betonfundament lediglich für einzeln angeordnete Spitzhügel, jedoch wegen der Behinderung des Wurzelwuchses der Bäume insgesamt nicht so gut für den Hügelbau, eignet. Der Vorteil von Steinfundamenten liegt in ihrer guten Haltbarkeit, dem gegenüber steht der Nachteil einer geringen Flexibilität. Wenn harte Hügelsteine auf hartem Steinfundament errichtet werden, kommt es zu einer statisch ungünstigen Auflager-Situation. Holzfundamente haben den Nachteil einer geringen Haltbarkeit, da sie mit der Zeit Verrotten. Man kann das Verrotten jedoch durch das Eingraben der Holzpfähle in tiefe Erdschichten verhindern, so dass sie mehrere Jahrhunderte funktionstüchtig bleiben. In moderner Zeit kommt häufig eine Mischmethode aus Stein- und Holzfundament zur Anwendung. Das Steinfundament wird hierbei vom Holzfundament ummantelt, weshalb diese Methode als ?Pflaumenfundament" bezeichnet wird. Nach der Fertigstellung des Fundaments werden zuerst große Hartsteine darauf errichtet. Das Ziel ist die Stabilität des Hügels, daher ist es nicht erforderlich auf die Maserung der Steine zu achten. Um eine zu starke Regelmäßigkeit im Hügel zu vermeiden, sollte eine dem Zufall überlassene Stapelung der Steine praktiziert werden.

 

Das Setzen der Spitzsteine

Wenn die Hügelspitze aus mehreren Spitzsteinen gebildet wird, sollten einzelne Steine von unten nach oben stückweise gestapelt und anschließend der Gesamtschwerpunkt ermittelt werden. Ähnlich wie beim Einzelspitzstein sollte die Gesamtheit der Steine oben breit sein und sich nach unten hin verjüngen, um ein schwebendes Gefühl zu vermitteln.

Für die oben genannten Beispiele eignen sich die Steine von Tai-See besonders gut. Andere Steine mit ähnlich interessanten Formen können ebenso verwendet werden.

 

Die eingespannende Stapelung

Bei der Schaffung von auskragenden Steinen sollte ein langgezogener Stein gewählt werden, der im hinteren Bereich eine relativ große Ausdehnung hat und nach vorne hin schmaler wird. Zur Beschwerung wird im hinteren Bereich des auskragenden Steins ein großer Stein gesetzt.

 

Die Höhle

Im Yüen-Ye wird in einem Abschnitt die Methode des Höhlenbaus mit der des Hausbaus verglichen. Die Steine werden, zu sich nach unten hin verjüngenden Säulen, gestapelt. Zwischen den Säulen werden Steine zu Wänden gestapelt. Öffnungen, wie Türen und Fenster, in den Höhlen erreicht man durch das Weglassen der Wände zwischen den Säulen. Auf die Säulen werden Deckplatten gelegt, die das Dach der Höhle bilden. Die Säulen werden jeweils auf Fundamenten errichtet, um deren Stabilität zu gewährleisten. Wenn mehrere Höhlen zu einer Höhlengruppe mit zusammen-hängendem Erscheinungsbild geschlossen werden sollen, sollten mehrere Öffnungen geplant werden, damit eine abwechslungsreiche Erschließung durch die Höhlen erzielt werden kann.

Auf den Dächern der Höhlen kann man Pflanzen, Terrassen und Pavillons anordnen.

Das Füllen und Unterlegen

Das Füllen und Unterlegen sind zwei Methoden zur Ergänzung der Steinsetzungsarbeiten. Sie beinhalten zwei Funktionen:

Das Unterlegen ist eine Methode zur Positionierung der Steine durch Keilsteine, um den Verlauf der Maserung in die gewünschte Neigung zu bringen.

Das Auffüllen der Nischen zwischen den gestapelten Steinen. Diese Arbeiten erfordern eine genaue Sortierung und Trennung der benötigten Steine nach ihren Eigenschaften und Funktionen. Es sollte darauf geachten werden, dass möglichst wenig kleine Steine hierfür verwendet werden, damit günstige Auflagerpunkte und enge, natürlich wirkende Nischen erzielt werden können.

 

Bindemittel

Die Vermörtelung ist eine Methode zur Bindung des Füllmaterials in den Nischen. In früherer Zeit wurde in der Regel eine Verbindung aus Kalkmörtel und Tungbaum-Öl als Bindemittel verwendet. Diese Verbindung hat den Vorteil einer hohen Stabilität, jedoch den Nachteil eines hohen Arbeitsaufwands und einer langen Trocknungszeit. Später wurde statt des Tungbaum-Öls Wasser verwendet, wodurch die Trocknungszeit verkürzt wurde, aber mit dem Nachteil des Stabilitätsverlusts. Um das vermörtelte Füllmaterial vor Erosion durch Regen und Schnee zu schützen wird eine Mischung aus (...)-Lauge mit Eisensplittern beigemengt, wobei die Eisensplitter lediglich wegen ihrer rostenden Eigenschaft verwendet werden: Der mit der Zeit im Mörtel hervortretende Rost hat einen ähnlichen Charakter, wie die Maserungen der Steine. Heutzutage wird hauptsächlich eine Mischung aus Zement und gelbem Sand verwendet. Dieser Mörtel weist zwar eine hohe Stabilität auf, aber seine Farbe wirkt nicht lebendig. Daher wird meist die Beimischung von Kohle bzw. (...)-Lauge zur Veredelung der Farbe verwendet.

 

Kapitel 5: Die Ästhetik

Ob der Hügelbau gut oder schlecht gelingt, ist nicht nur abhängig von der Technik der Steinstapelung, sondern auch von seinem ästhetischen Inhalt. Ji-Chen äußerte, dass das Gelingen eines Hügelbaus die Lebendigkeit der Natur auszudrücken vermag. Der künstliche Hügel sollte einem echten Berg ähneln. Er sagte: ?Das Echte künstlich gestaltet und das Künstliche bis zum Echten weiterführt, bedeutet, dass der Mensch ein kleines Naturgeheimnis verinnerlicht hat." Das Gelingen des Hügelbaus hängt somit in besonderem Maße von zwei Fähigkeiten ab, nämlich die Realität nachvollziehen zu können und die Natur zu idealisieren zu vermögen. Daher sind die künstlerischen Aspekte für den Hügelbau ein wichtiges Kriterium. Die folgenden Punkte sind eine grobe Beschreibung dieser Kriterien:

 

Drei Fernen

Wenn man sich mit der chinesischen Kalligraphie beschäftigt, muß man zuerst die drei Fernen beachten. Die drei Fernen sind: Die Höhen-Ferne, Tiefen-Ferne und Horizont-Ferne. Weil auf dem durch das Format beschränkten Papier alle Landschaftszenen dargestellt werden, verwendet man die Technik der drei Fernen. Da die Größe des Hügelbaus durch das Grundstück beschränkt ist, liegt im übertragenen Sinne eine Parallele zur Kalligraphie vor.

Höhen-Ferne: Die Hügel sind vorne niedrig und hinten hoch, die Hügelspitzen weisen im Grundriss eine Zigzagform auf.

Tiefen-Ferne: Wenn zwei Hügelgruppen sich gegenüber stehen, greifen die Hügelvorsprünge der einen Gruppe in die Mulden der anderen und umgekehrt, dadurch wird ein Ineinandergreifen der beiden Gruppen erreicht.

Horizont-Ferne: Flache Hügel staffeln sich hintereinander. Ihre Anordnung im Grundriss erscheint schlangenförmig.

Die drei Fernen sind nur aus bestimmten Winkeln wahrzunehmen, daher muß die Gestaltung an das Planungskonzept angepaßt werden.

 

Die zehn wichtigsten Kriterien

I. Trennung des Hauptthemas von den Nebenthemen

In einem Garten sollte nur ein Hügel als Hauptthema gestaltet werden, alle anderen Hügel stellen Nebenthemen dar. Sowohl die Höhe als auch das Volumen der Nebenhügel sollte die des Haupthügels nicht überschreiten. Auf einem Hügel sollte es nur eine Hauptspitze geben, die von den Höhen der Nebenspitzen nicht überragt werden sollte.

II. Schichten

Bei den Schichten existieren zwei Betrachtungsmerkmale:

Durch die Gliederung der Schichten von nah zu fern wird eine Tiefenwirkung erzielt.

Durch die Gliederung der Schichten von Oben nach Unten wird die Höhe und die Steilheit dargestellt.

Sowohl die Hügelgruppen als auch die einzelnen Hügel werden nach dem Prinzip der Schichtung gestaltet. Je größer die Grundfläche bzw. das Volumen der Hügel ist, desto mehr Schichten werden benötigt. Diese Theorie gilt auch für die einzelnen Steine, wenn sie in der Perspektive als Gruppe wahrgenommen werden.

 

III. Treppenform

Wenn ein Hügel unterschiedliche Höhen aufweist, so liegt automatisch eine Treppenform vor. Ein Hügel verläuft vom Fuß bis zur Spitze niemals als eine Gerade, sondern als treppenförmige Steigung. Dies ist die natürliche Bewegung innerhalb eines Hügels und auch zwischen den Hügelgruppen.

 

IV. Kurvenreichtum

Die Bergflüsse sollten kurvenreich verlaufen, damit sich der Weg zwischen den Hügeln schlängelt, wobei der Verlauf der Kurven an die Schichten und an die Treppenform angepaßt werden sollte.

 

V. Unebenheit

Die Steinhügel sollten Unebenheiten aufweisen. Insgesamt sollten im Gartenbau alle Arbeiten, die mit Steinen zu tun haben den Aspekt der Unebenheit beinhalten, denn hierdurch kann man die Hügelform betonen. Ein Rhythmus sollte jedoch vermieden, da sonst die natürliche Erscheinung verloren geht. Der Gedanke der Unebenheit ist im übertragenen Sinne ähnlich wie bei den Linien- und Faltenzeichenmethoden der chinesischen Kalligraphie.

 

VI. Das Koppeln

Das Koppeln wird in zwei Situationen verwendet:

a. Zwischen dem Hauptthema und den Nebenthemen

b. Zwischen den Schichten

VII. Die Koordinierung

Die Platzierung der Hügel sollte mit dem gesamten Garten und der Architektur koordiniert werden.

VIII. Die Dichte

Die Dichte beinhaltet Konzentration und Zerstreuung. Im Gartenbau ist auf die entsprechende Dichte der Hügelgruppen bzw. der kleinen Landschaftspunkte zu achten. Eine zu starke Konzentration, wie im Shi-Tze-Lin-Garten oder eine zu große Zerstreuung, wie im Wang-Shi-Garten, sollte vermieden werden.

IX. Die Trennung zwischen Schwere und Leichte

Beim Hügelbau sollte eine angemessene Menge von Steinen verwendet werden. Wenn zu viele Steine verwendet werden, sieht der Hügelbau klobig aus, und wenn man hingegen zu wenig Steine benutzt, dann wirkt der Hügelbau mager und fad. Man sollte beide Extreme vermeiden. Der Haupthügel, der oft in enger Beziehung mit einem Haus und Bäumen gestaltet erscheint, sollte massiv sein. Hingegen sollte der hervorkragende Stein optisch leicht wirken. Außerdem sollte die Diskrepanz zwischen Schwere und Leichte nicht zu extrem ausfallen.

X. Die Trennung zwischen Leere und Objekt

Wenn sich um das Grundstück Hügel befinden, so sind die Hügel als Objekte und das Grundstück als Leere zu betrachten. Zwischen einer Vielzahl von Hügeln existieren mit Sicherheit verschiedene Schichten und zwischen den Schichten gibt es bestimmte Abstände. In diesem Fall erscheinen die Hügel als Objekte und die Schichten zwischen ihnen als Leere. An jeder Stelle des Gartens sollte der Aspekt von Leere zu Objekt berücksichtigt werden.

 

Zwei Ideale

Das Ideal der Gestaltung ist die Bescheidenheit und die Natürlichkeit. Wenn man in die Gestaltung Symbole einbezieht, so verliert der Hügelbau seine Natürlichkeit und wirkt einfältig.

Das Ideal bei der Methode des Bauens liegt in ihrer Einfachheit und das Gelingen ist abhängig von der intensiven Vorbereitung und der reichen Erfahrung des Schaffenden.

Vier Fehler

Steine sollten niemals gefärbt werden. Die verschiedenen Steinsorten besitzen unterschiedliche Farben und Maserungen, dadurch ergeben sich bei der Steinstapelung unterschiedliche Methoden. Seesteine sind klein und verfügen über eine reiche Formensprache. Bei der Steinsetzung sollte darauf geachtet werden, dass die Seesteine mit ähnlichen Formen und Farben zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Die Maserung der Gelben-Steine wirkt rustikal. Die Güte der Gelben-Steine ist besonders hoch, wenn sie einen ?alten" und ?anständigen" Charakter aufweist. Bei der Steinstapelung muß man darauf achten, dass die Maserungsrichtungen nach bestimmten Gesichtspunkten erfolgen: Wenn Steine in der Draufsicht horizontale Maserungen besitzen, so sollte man darauf achten, dass in den Vorder-, Rück- und Seitenansichten die Steine senkrechte Maserungen besitzen. Das hintergründige Ziel dieses Versetzens ist die Schaffung von sich kreuzenden Maserungen und somit der Erzeugung starker Kontraste. Wenn man die Methoden des Hügelbaus mit denen der chinesischen Kalligraphie vergleicht, so assoziiert man mit den Seesteine die Jüen-Yün-Po oder die Ma-Pi-Tui-Suo-Po Zeichenmethode. Diese Zeichenmethoden haben einen runden Charakter und wurden in der Sung-Dynastie von Go-Shi und in der Yüen-Dynastie von Wang-Mong verwendet. Bei den Gelben-Steinen assoziiert man die Fo-Pi-Po oder Zhe-Dai-Po Zeichenmethode. Sie hat einen kantigen Charakter und wurde in der Sung-Dynastie von Ma-Yüen und in der Yüen-Dynastie von Ni-Zuan verwendet. Das Wesen der Beiden oben genannten Steine ist sehr verschieden, daher sollte man ihre gemeinsame Verwendung vermeiden. In alter Zeit trifft man beide Steinsorten in einem Hügelbau an, jedoch nicht miteinander vermischt, sondern klar getrennt als Fundamentsteine und Gestaltungsteine. In allen Gärten der Stadt Su-Zhou kam es in moderner Zeit dennoch zur optischen Vermischung der beiden Steine im Hügelbau; diese entspricht jedoch nicht der ursprünglichen Gestaltung, sondern der Umgestaltung in späterer Zeit.

Bei der Komposition der Steine einer Steinsorte sollte die wüste Zusammenstellung unterschiedlicher Maserungsrichtungen vermieden werden. Steine der gleichen Steinsorte, weisen unterschiedliche Maserungsrichtungen und -breiten auf. Bei der Zusammenstellung der Steine zu Gruppen sollten auch diese Unterschiede berücksichtigt werden.

Die verschiedenen Hügelgruppen sollten nicht die gleiche Größe besitzen. Schon bei der Auslese der Steine sollte darauf geachtet werden, dass sie unterschiedliche Größen aufweisen.

Beim Hügelbau sollte man das Entstehen einer großen Anzahl von Nischen vermeiden. Hierbei spielen die großen Steine eine entscheidende Rolle. Denn durch die Verwendung großer Steine beim Hügelbau kann die Zahl der Nischen erheblich reduziert werden.

5. Sechs Tabus

Drei Hügelspitzens dürfen im Grundriss nicht in einer Linie angeordnet werden und die Spitze des mittleren Hügels darf nicht niedriger sein, als die beiden äußeren Hügel. Die Anordnung würde sonst einem Ahnentempel, mit dem Gefäß in der Mitte und den beiden Kerzen links und rechts davon, ähneln. (religiöses Tabu)

Man sollte die Anordnung vermeiden, dass eine Hügelspitze in der Mitte steht und zwei niedrigere Hügel symmetrisch bzw. ordentlich daneben gestellt werden.

Man sollte vermeiden, dass die Hügel mit unterschiedlichen Höhen in einer Reihe stehen, sonst sehen sie aus wie die Zähnen einer Säge, brutal wie "Messerberge" und "Säbelbäume".

Man sollte vermeiden, dass zu viele Nischen beim Hügelbau entstehen, denn wenn man sie mit Mörtel auffüllt, dann wirkt die Oberfläche des Hügels ganz eben und ohne Leben. Außerdem verhindert der Mörtel das Wachsen von Pflanzen, so dass der Hügel einer harten Metallwand ähnelt.

Man sollte vermeiden, dass die Steine ordentlich zueinander stehen, denn sonst fehlen die Kurven und die Schichten und der Hügel sieht aus wie eine Burg.

Man sollte komische Formen und unharmonische Zusammenstellungen der unterschiedlichen Themen vermeiden, da sonst die Ästhetik der gesamten Gestaltung zerstört wird. (Direkte Übersetzung des VI.-Tabus: Tabu der Ratten- und Ameisenhöhlen. Bett- und Pfahlbau, seltsame Formen und komische Situationen, große Löcher und kleine Augen, hundert Höhlen und tausend Narben, so sind die Ratten- und Ameisenhöhlen.)


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