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UTOPIEN und IDEALSTADTENTWÜRFE


Stadt- und Gesellschaftsentwürfe in der Architekturtheorie der moderne

 CHIH-HSING SHEN

 

DIE BEGRIFFE DER UTOPIE

Trotz seiner vielen Gemeinsamkeiten mit den Tieren besitzt der Mensch eine Eigenschaft die ihn wesentlich von den anderen Lebewesen unterscheidet: Er besitzt die Fähigkeit, die Realität den gedanklichen Vorstellungen gegenüberzustellen. Diese, auf seine Intelligenz beruhende Fähigkeit, hat sich im Verlauf der menschlichen Entwicklung von einfachen Fragen zu hochkomplexen Gedankengebäuden weiterentwickelt. Je mehr die Menschen verstehen oder zu verstehen glauben, desto schwieriger wird es für sie, sich mit den häufig unmenschlich wirkenden Gesetzen der Natur zufriedenzugeben. In den Utopien spiegelt sich die Unzufriedenheit der Menschen im besonderem Maße wider, so daß sich der Utopist veranlaßt sieht die komplexen Probleme der Menschen mit einer grundlegend neuen, selbstentwickelten Ordnung zu lösen. Der Mensch enthüllt sich selbst als entwerfendes Wesen, sein Streben nach einem Ideal richtet sich nach vorn. Nie ist er ganz in der Gegenwart daheim, immer schaut er in die Zukunft. Aus seiner Unzufriedenheit mit der Gegenwart erwächst das ideale Konzept einer modellhaft fixierten, besseren Zukunft. Utopisches Denken bekundet sich in sehnsuchtsvollem Trachten nach vollkommenen Gemeinschaften und Staatsgebilden. Den Utopien, mit ihren variationsreichen Erscheinungsformen liegen im Wesentlichen zwei Beweggründe zu Grunde:

a) Flucht vor der Realität

b) Anstoß zur Veränderung und Innovationsfaktor für die Suche nach neuen Lösungen

Der Motor der Utopie ist das Streben nach der maximalen Annäherung an ein Ideal. Bei dem Wort ?Utopie" assoziiert man unwillkürlich auch das Wort ?Ideal", welches die Basis der Utopie darstellt. Durch die Definition des Wortes ?Ideal" kann die Utopie besser begriffen werden.

 

Ideal:

Vorbild, Wunschbild,

dem Geiste vorschwebendes Muster der Vollkommenheit (Duden)

Der Charakter des Ideals ist die Totalität und absolute Vollkommenheit. Diese Totalität gekoppelt mit der menschlichen Unzufriedenheit führt dazu, daß der Mensch das Ziel des Ideals niemals erreichen wird.

Utopie ist der ideale Entwurf, der unausführbar und ohne reale Grundlage ist. Was realisiert, was gebaut ist, kann demnach nicht utopisch sein.

Merkmale der Utopien

Utopien unterliegen eigenen Gesetzmäßigkeiten, deren Wesen in der Gesamtheit des menschlichen Daseins wurzeln. Das Utopische im Entwurf geht aus der Selbstdarstellung des Menschen hervor. Im Bezugsfeld des menschlichen Daseins gewinnt man Einblick in das, was die Beschaffenheit des Utopischen begründet und legitimiert.

Sehnsucht nach einer Ordnung

Das Ziel der Utopien ist ein ideales Zusammenleben auf dem angestrebten Hintergrund von Glück, Freiheit und Gerechtigkeit, welche vor allem durch Ordnungsprinzipien gewährleistet werden sollen.

Mit dem Einbruch der Aufklärung und der Naturwissenschaften in traditionelle Geistesgebiete vollzieht sich die Ablösung von den hierarchischen, unhinterfragten Staats- und Kirchengewalten zu der Idee von einer emanzipierten, aufgeklärten Gesellschaft, dem ?Weltbürgertum". Der Glaube an die Macht der menschlichen Vernunft seit dem Humanismus der Renaissance bestimmt fortan die Natur- und Geisteswissenschaften, die bürgerliche Philosophie und die Idee der bürgerlichen Revolution. Dies ist durch einen ausgeprägten Fortschrittsglauben und die fortschreitende Beherrschung der Natur durch die Technik gekennzeichnet.

 

Phantasien über die Zukunft

Die Welt wird nicht geschaffen von Gott, nicht von der Umgebung, nicht von den ökonomischen Bedingungen, sondern allein durch die Einbildungskraft des Menschen. (Oskar Kokoschka)

Wenn wir über Utopien sprechen, müssen wir die ambivalente Bedeutung der Phantasie hervorheben. Die Phantasie spielt für die Utopie eine große Rolle.

Die utopische Funktion kommt in der phantasierenden Arbeit vielfältig zur Geltung: sei es, daß sie versucht, das unzugängliche, unübersichtliche Leben auf einer anderen Ebene deutlicher, bestimmbarer zu machen; sei es, daß sie ein Kontrastbild zu einer gegebenen individuellen oder gesellschaftlichen Situation entwirft, oder daß sie bestimmten Verengungen und Verzerrungen der Realität entgegentritt, sei es schließlich, das sie durch sein Werk seine Leser zu einer neuen Begegnung mit sich selbst anregt und sie einlädt, anders zu leben.

Utopien in Städten / Idealstadtentwürfe

Eine gültige Utopie ist nicht bestimmbar, da der Gegenstand zu komplex ist. Diese komplexen Wunschvorstellungen bestehen im wesentlichen aus zwei Teilen: Der Architekturutopie und der Sozialutopie. Die beiden spiegeln gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbruchsituationen der Geschichte wider. Die Architekturutopie befaßt sich mit der Baulichkeit, d.h. mit dem Umwandlungsprozeß von Ideologie zu konkreten Formen. Dabei spielt der zeitliche Aspekt eine große Rolle, denn die Phantasien stützen sich auf den jeweiligen technologischen Stand, d.h. die Anregungen durch die Technologie werden mit der eigenen Phantasiekraft und den Wunschvorstellung zu einer idealen Zukunft verarbeitet. In der Architekturgeschichte wird die Periode des Utopiegedankens in drei Phasen geteilt:

Erste Phase:

Von den Utopienstädten in dieser Zeit kann man einige Charakteristika erfassen: Harmonie, Geometrie und Symmetrie. Sie sind jeweils auf ein Zentrum bezogen - Spannungspol zwischen göttlicher und weltlicher Macht - und reflektieren eine hierarchische Ordnungsvorstellung.

Zweite Phase:

Die Französische Revolution hat die revolutionären Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gefordert. Diese Forderungen wurden auf der Basis von sozialer Gerechtigkeit für jedermann beansprucht. In dieser Zeit geriet die neue Gesellschaft, mit der steigenden Industrialisierung und der Vermassung der Städte, ins Blickfeld.

Dritte Phase:

Die italienischen Visionen des 20. Jahrhunderts verkehrten sich angesichts der Fehlentwicklung der großen Städte zu Negativbildern und Alpträumen. Mit den künstlerischen Utopien des Futurismus, Konstruktivismus, Suprematismus, des De Stijl und des Expressionismus wurde noch einmal der Versuch unternommen, in einem gewaltigen idealistischen Zug zum Gesamtkunstwerk, den ?Bau der Zukunft" zu entwerfen. Einer globalen Massenbedrohung durch Übervölkerung antwortet die Architektur mit Megastrukturen und gigantischen Wohneinheiten, die nicht mehr auf das vertraute Fundament beschränkt bleiben, wie z.B.: Kolonien im Weltraum, Unterwassersiedlungen, unterirdische Städte, auf vorhandene Systeme auf gepflanzte Organismen, Brückenstädte und wandernde Städte.

 

DIE ARCHITEKTUR DER UTOPIE

 

Idealstadtentwurf in der Vergangenheit und in der Moderne

 

Die Geschichte der nahen Moderne wurde durch die industrielle Revolution stark beeinflußt. Die Umwälzungen sind total und ohne Beispiel in der Vergangenheit. Dazu gehören die ganzen menschlichen Lebens- und Gesellschaftsformen. In frühen Zeiten träumten die Menschen lediglich von der Perfektion, die vor allem aus Ordnung und Moral gebildet ist. Dieses reine Ideal der Architekturutopie in der Vergangenheit konnte in der Geschichte niemals realisiert werden.

Die utopischen Gedanken der Abschaffung von Besitzsystemen und die Betonung der Gerechtigkeit und Freiheit zeigt große Ähnlichkeiten mit dem Gedanken des Kommunismus. Nach der Realisierung des Kommunismus in vielen Ländern verliert sich zunehmend das Fundament für ein naives reines Idealdenken. In der Moderne wird bei den Idealstadtentwürfen die menschliche Natur verstärkt miteinbezogen, d.h. der menschliche Charakter wird mit seinen ?guten" und ?schlechten" Seiten akzeptiert. Neue Architekturtypen stellen den Versuch dar, erkannte Probleme des Lebens und Zusammenlebens zu lösen. Eine starre Umwelt erzeugt starre Menschen und eine starre Gesellschaft. Lebendige, anpassungsfähige Stadtsysteme sollen daher die gesellschaftliche Verkrampfung lösen.

Statt an das Ideal in der Vergangenheit wird an die fortschreitende Perfektion der Technologie im Idealstadtentwurf geglaubt. Der technische wie ökonomische Aufstieg der westlichen bzw. westlich orientierten Industriestaaten nach dem 2. Weltkrieg veränderte Produktionsweisen wie Produktionstechniken. Automatisierung, Mechanisierung und Rationalisierung der Arbeits- und Herstellungsmethoden in der Industrie ermöglichen gesteigerte Produktionsvolumina und industriellen Wachstum. Vor dem Hintergrund dieser Technologiegläubigkeit und der Industrialisierungsprozesse in diesen Industrieländern müssen die zeitgenössischen Zukunftsentwürfe im Städtebau gesehen werden.

Das Vokabular der modernen Architektur war von einer Menge von Begriffen und Schlagwörtern geprägt, deren ideologische Wurzeln sich in den neuen politischen Ordnungen und Weltanschauungen zurückverfolgen lassen: Expression, Zelebrierung, Logik, funktionelle Dynamik, Vertikalismus, Stadtkrone, Totalität, Regenerationskraft, Weltbaumeister, Volksgemeinschaft usw. Bemerkenswert einleuchtend, daß auch dieser Zeit entsprechend größenwahnsinnige Megastrukturen hervortreten.

 

 

Die Analyse der Architekturutopien in der Vergangenheit

Die über 300 Jahre dauernde Tradition geometrischer Stadtschemata hat sich wenig geändert: zwar hat sich der Inhalt gewandelt und mitunter verändert, doch die Formen erwiesen sich als dauerhaft. Sogar bis in jüngster Zeit sind sternförmige und radförmige Stadtgrundrisse bzw. Astralwirbel in Architekturutopien zu finden. Die geometrischen Formen sollen hierbei Klarheit, Ewigkeit und Abstraktionsvermögen verdeutlichen. In der unaufgeklärten Zeit werden deshalb die einfachen Geometrieformen sehr oft im Idealstadtentwurf verwendet.

Geometrische Stadtschemata und Symbole in der Geschichte:

 

Quadrat

Es ist auffallend, daß bei den nordischen mittelalterlichen Utopien, z.B. bei Sir Thomas Morus (1478-1535), Albrecht Dürer (1471-1529) und Heinrich Schickhardt (1558-1634) das Quadrat der Römerlager gegenüber dem Kreis bzw. Stern der Naturphilosophen bevorzugt wurde, während es bei den italienischen und französischen Utopisten seit jeher als zu ?monoton" und ?engstirnig" verhaßt war. Die geometrische Anordnung einer Stadt entspricht den Errungenschaften der Aufklärung und den mit der Industrialisierung auftretenden neuen Produktionsweisen.

 

Kreis

Der Kreis schließt inselartig Raum ein. Im Bann des Kreises gibt es Schutz und Ordnung; außerhalb der Einfriedung sind Bedrohung und Chaos. Das Zentrum des Kreises der Sitz der guten Macht, der Schutz gewährt und Ordnung gebietet. In der Stadt ist diese gute Macht, je nach politischer Vorstellung, der Fürst, die öffentliche Bürokratie, die Versammlung der Stadtbürger. In der Villa ist diese ?gute Macht" der Hausherr selber.

Bis in das 19. Jahrhundert gilt der Kreis als Symbol eines Universums dessen Gesetzsordnung bekannt und deshalb berechenbar ist. Die Welt des Kreises ist in sich abgeschlossen.

Turm

Türme entsprechen einem uralten Repräsentations- und Identifikationssymbol, vor allem wenn der ursprüngliche Zweck der Fortifikation entfallen ist. Säulen und Türme sind auch nach Carl Gustav Jungs ?Gestaltstheorie" baulich realisierte, bruchstückhafte Erinnerungen an verschüttete, unterbewußte, weit in die Kinderheit reichende, individuelle Erlebnisbereiche oder die kollektive ?vorbiblische", erbsündebeladene Sehnsucht nach dem babylonischen Turm.

Die Spirale ist die abstrakt-formale Umsetzung des dialektischen Prozesses der Geschichte, in der sich Revolution und Reaktion abwechseln, bis es zum Treffpunkt der beiden Spiralen im Unendlichen kommt, wo nach der ?Diktatur des Proletariats" der Sozialismus erreicht ist. Hier treffen wir wieder auf die Form, die zugunsten der ideologischen ?Botschaft" zurücktritt.

Wie werden wir morgen und übermorgen leben, wohnen, arbeiten? In welcher Art von Architekturen? Wird die Überbevölkerung uns zu amphibischen Wesen machen, mit Städten auf und unter dem Wasser? Werden riesige Ozonlöcher uns zu Höhlenmenschen verändern, die das Licht des Tages scheuen müssen, sich unterirdische Behausungen bauen und ins Innere der Berge zurückziehen müssen? Werden wir den ausgepowerten, seiner Natur und Bodenschätze beraubten und ständig von Naturkatastrophen geschüttelten Planeten nur noch in besonders befestigten Städten bewohnen können, oder werden unsere Nachkommen sich in extraterrestrische Weltraumstädte mit künstlicher Schwerkraft flüchten müssen, um ein Überleben der Spezies zu garantieren? Oder werden einfach die Stadtwucherungen der Megalopolen, die endlosen ?urban sprawls" zunehmen, bis die Städte als schwärende Müllkippen, trinkwasserlos, von Verkehrsinfarkten, Kriminalität, Lärmbelästigung, Luftverschmutzungen, Gesundheitsproblemen, Energiemangel erstickt kollabieren? Werden die öffentlichen Räume, die Straßen, Plätze zu Wohnräumen umfunktioniert werden müssen, höchstens noch mit Schlaflochhäusern? Oder werden wir mit der Geburtenkontrollen, neuen Technologien, elektronischen Verkehrsleitsystemen, Recyclingverfahren und intelligenten Architekturen die Probleme so in den Griff bekommen, daß die Menschheit, wenn schon nicht in der Überflußgesellschaft leben, so sich doch zumindest am Abgrund wird entlanghangeln können? Werden wir neue, energiesparende, recyclingfähige Baumaterialien finden, wie mit neuen/alten - Solar, Wind, Wasser umgehen? Wie mit Hilfe von Computern, Sensor- und Steuerungssystemen intelligente, vielleicht sogar interaktive Gebäude herstellen? Wie werden wir architekturästhetisch High-Tech, ökologische Aspekte und Medienkultur miteinander verbinden? Welche Waffen werden entwickelt werden und welche Auswirkung werden sie haben?

Man sieht schon an der Auswahl aus einer unendlich großen möglichen Palette an Fragen, daß diese zum Teil überlebenswichtig sind, daß Architektur darin nie alleine steht, sondern stets im Verbund mit anderen Bereichen zu sehen ist, daß Architekturphantasie und Architekturutopie bei diesen Fragen notwendig und ihrer Unterdisziplin als Zukunftsarchitektur gefordert ist, daß sie sich hierbei mit Sciece-Fiction überlappt, daß Architektur einen utopisch-visionären Geist dringend benötigt, will sie die gewaltigen Aufgaben meistern, die ihr schon in naher Zukunft sozusagen ins Haus stehen.         (Christian W. Thomsen: Architekturphantasien)

Die Architekturtheoretiker der 60er Jahre wandten ihren Blick auf die technologisch wie wissenschaftlich respektierten Gebiete der Kybernetik, der Futuristik, der Systemanalytiker und propagierten in ihren utopischen Entwürfen eine Architektur des Raumzeitalters. Zudem versuchten sie durch spekulative Mittel und pseudo-wissenschaftliche Prognosen die nächsten Entwicklungen zu erraten.

 

Der japanische Metabolismus

Architekten: Kisho Kurokawa, Fumihiko Maki, Kenzo Tange

?Metabolismus" ist eigentlich ein Begriff aus der Biologie und bezeichnet ?den Prozeß, im Verlauf dessen Nahrung zu einem lebenden Wesen aufgebaut oder durch den ein lebendes Wesen in Komponenten aufgebrochen wird." In diesem Namen ist das gesamte Bestreben der Gruppe im wesentlichen ausgedrückt. Die Gruppe der Metabolisten formierte sich 1960 aus jungen Architekten, die sich auf die Teilnahme an der World Design Conference vorbereiteten. Zu ihren Mitgliedern gehörten Takashi Asada, Kiyonori Kikutake, Kisho Kurokawa, Masato Otaka und Fumihiko Maki. Das von den Metabolisten vertretene und auf der Konferenz vorgelegte Erscheinungsbild war nicht das von der modernen Architektur inspirierte Maschinenimage, vielmehr ein biologisches, das heißt eine Vorstellung von Architektur als Analogie zu lebenden Wesen. Die Methode, ein Gebäude als analog zu einem menschlichen Körper zu erfassen oder die Proportionen desselben als Basis der Architektur zu betrachten, existierte bereits von alters her. Aber die Idee, den Mechanismus eines Organismus zum Architekturideal zu machen, ist allein den Metabolisten eigen.

Kenzo Tange war stark an der World Design Conference beteiligt und hatte auch großen Einfluß auf die Metabolisten. Die meisten Mitglieder der Gruppe waren Schüler von Tange gewesen, und die Wirkung seiner Architektur auf den Metabolismus war weitreichend. Vor allem schloß die Planung für Tokyo, die Tange 1960 veröffentlichte, junge Architekten ein, die innerhalb weniger Jahre eine Vielzahl von städtebaulichen Programmen erarbeiteten. Mit Kiyonori Kikutakes ?Meereszivilisation: Unabara", eine schwimmende Stadt für eine halbe Million Einwohner; ein 500m hoher Kontrollturm soll Energiezentrum, Leuchtturm und Symbol der Stadt sein, Masato Otakas Wohnungsbauprojekten auf künstlichem Baugrund, Kisho Kurokawas Tokyo-Plan Helix von 1961, Arata Isozakis ?Sky City", Fumihiko Makis ?Gruppenform" und anderen Projekten gaben die Architekten zu Beginn der sechziger Jahre potentiellen zukünftigen Entwicklungen der Stadt vielfältigen und kühnen Ausdruck. Der ?Plan für die Überbauung der Tokio Bay" von Kenzo Tange beruht auf einer doppelten Verkehrsachse ?der Wirbelsäule", beidseitig der mehrgeschossigen Staßensysteme liegen die schwimmenden Wohn- und Arbeitsstätten.

Obgleich diese Vorstellungen sehr unterschiedliche Formen annahmen, basierten sie alle auf der gleichen Grundidee, die Städte auf das Meer und in den Himmel zu erweitern sowie auf künstlichem Grund in vielschichtigen Konstruktionen zu bauen. Der Glaube an das Wachstum der Städte war allen gemeinsam und wurde durch das Konzept der städtischen Erneuerung mittes einer starken Technologie gestützt.

Die japanischen Metabolisten sehen ihre Aufgabe in der Betonung des Wandels in einer sich schnell wandelnden Wirtschaftsstruktur und einem rasant wachsendem Stadtsystem, indem sie Entwürfe / Vorschläge / Modelle produzieren, die nicht nur diese Entwicklungen berücksichtigen, sondern sich gleichzeitig um die Gewährleistung von ?stabilisiertem" menschlichen Leben kümmern. Daraus entsteht das Programm eines ?flexiblen" urbanen Systems, das aber gleichzeitig zwei konträren, ungleichzeitigen Systemen Rechnung trägt. Einerseits soll das Programm nach innen einem langsamen Wechsel untergeordnet sein, andererseits muß es sich dem raschen Wechsel nach außen anpassen können. Das Modell der Metabolisten soll expandieren und sich regenerieren können, ohne daß es als Ganzes in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ein Schlüsselwort ist daher ?Stabilität im Wandel". Aber anstelle des gedachten ?offenen Systems" einer wandlungs- und wachstumsfähigen Architektur tritt eine von totalitärer Entscheidungsgewalt geprägte Reglementierung auf, bedingt schon durch die ungünstige Bauweise einer Vorfabrikation, Verkehrserschließung und zumeist individuellen Wohnform. Zudem scheiterten die Metabolisten in der Praxis: kein Bau vertrat konsequent als Ganzes metabolistische Ideen, sondern alle waren statisch und festgefügt. So blieben viele Entwürfe von phantastischen Megastrukturen nur auf dem Papier oder im Modell.

Die Metabolisten stellten sich vor, daß die Bewohner gleich mit der ganzen Wohnungseinrichtung umziehen können. Sie erkannten zumindest die Theorie der Beweglichkeit als eine Produktions- und Verwertungspraxis und nahmen somit die Modelle einer kommenden Konsumarchitektur vorweg, bzw. erkannten die Kriterien eines neuzeitlichen Bauens.

Das Prinzip der Stabilität drücken die Stützsysteme (Primärstrukturen) aus, während die veränderbaren Wohn- und Arbeitsstätten (Sekundärstrukturen) das Prinzip des Wandels symbolisieren.

  

"Unser Orakel ist ein Space-Comic, seine Wirklichkeit liegt in der Gestik, der Aufmachung und der selbstverständlichen Verwendung von Dingformen, die zu unserer Zeit gehören: der Kapsel, der Rakete, dem Radarschirm, dem Vergnügungspark, der Einweg-Packung, dem ganzen Ex und Hopp."

Der eigenwillige Beitrag Archigrams in der langen Reihe von Megastrukturen und räumlichen Stadtsystemen in den 60er Jahren hat vorläufig wahrscheinlich den aktuellsten Stand der technoiden Entwicklung gebracht. Die Projekte Archigrams sind, an ?comic-strips" erinnernd, Entwürfe zur Bewältigung der mit einer ?Massengesellschaft" verbundenen Wohn- und Freizeitprobleme und deren Reaktion auf neuzeitliche Konsumentenbedürfnisse. Ihre originellen Vorschläge weisen zumeist auf die ?immateriellen" Raumvorstellungen und Gestaltungen hin: Mittels Computertechnik und elektronischer Hilfssysteme werden statische Elemente vollständig ersetzt. Durch ein perfektes technisches Kontroll- und Versorgungssystem soll die Anpassung der Umwelt an die menschlichen Bedürfnisse erreicht werden.

Die Motivationsquelle für die Arbeiten Archigrams liegt vor allem in der Unzufriedenheit mit der Selbstgefälligkeit und dem Dogmatismus der Architekten und deren gebauter Architektur, die sich aufgrund ihrer Klammerung an die statische Architektur und die traditionellen Wohnformen nicht auf die Anforderungen zeitgemäßer Bedürfnisse und der sich schnell verändernden Gesellschaft einstellen könne. Archigram fordert auch für die Architektur eine Berücksichtigung der Nutzungs- und Lebensdauer, wie es z.B. bei den Produkten des Industrial Design seit längerem selbstverständlich ist, nämlich daß überholte Gegenstände durch zeitgemäßere Objekte ersetzt werden, denn die Benutzung von Wegwerfgütern sei als ein heilsames und ganz und gar positives Zeichen anzusehen, da es für eine hochentwickelte Verbrauchergesellschaft und nicht für eine stagnierende (und deshalb letztendlich verfallende Gesellschaft) spreche. Eine konsumorientierte Gesellschaft brauche Massenproduktion, deren Qualitäten seien wiederum Wiederholung und Standardisierung, wobei nach individuellen Bedürfnissen und Vorlieben auch einzelne Teile ausgewechselt und ausgetauscht werden könnten. Die Projekte Archigrams beschäftigen sich daher insbesondere mit der Entwicklung von Wegwerf-Architektur, da nur darin die Möglichkeit gesehen wird zeitgemäße Architektur zu schaffen. Ebenso wie Lebensmitteltüten, Papiertaschentücher, Plastikverpackungen, Kugelschreiber sollen auch Gebäude Wegwerf-Artikel der Gesellschaft werden. Diese Forderung Archigrams beruht auf der Ansicht, daß überall in der Gesellschaft und in allen Kategorien der Warenwelt die Dinge, die einst als unveränderlich galten, durch den immer schnelleren Wandel unserer Konsumgewohnheiten ersetzt würden, womit sich auch die Umgebung ändern werde, in der dieser Konsum betrieben werde. So kreisen ihre Gedanken um eine höchst bewegliche Architektur, die versucht dem schnellen Rhythmus des städtischen Lebens zu entsprechen. In den Projekten Archigrams ist stets der ?fanatische" Wunsch nach Mobilität, Flexibilität, Transportabilität, Faltbarkeit, Aufblasbarkeit, Veränderbarkeit, Beweglichkeit, Umwandelbarkeit, Auswechselbarkeit, Stapelbarkeit, Zerlegbarkeit, Einsetzbarkeit, Zusammensteckbarkeit, Aufhängbarkeit, Verbindbarkeit, Kombinierbarkeit, Ersetzbarkeit, Austauschbarkeit, usw. ablesbar, wobei hierdurch entweder maximale Verdichtung oder extreme Zerstreuung bzw. Ausdehnung bezweckt wird. Archigram ist von der Idee fasziniert, daß kleine kompakte Gebilde sich zu funktionstüchtigen, ereignisreichen Gebilden entfalten lassen können. Bei Instant City z.B. soll mit einfachen Mitteln eine verschlafene Kleinstadt mittels eines präparierten Luftschiffs mit kulturellen Angeboten aus der Großstadt versorgt werden. Ein dichtes Verbindungsnetz zwischen den Elementen spielt bei allen Projekten eine wesentliche Rolle und soll optimale Möglichkeiten der Kommunikation erzeugen.

Das Charakteristikum der Arbeiten Archigrams drückt sich in der freien Verwendung unkonventioneller Baumaterialien, wie Plastik, Pappe, usw. und in der unbegreiflich-kritiklosen Liebe und Faszination gegenüber der Technik (uneingeschränkt werden z.B. Raketen als positive Kraft bezeichnet). Ein technisches Objekt, die Kapsel, erscheint häufig bei Archigram in immer verschiedenen Varianten. Ihr Anspruch war es, eine Wohnkapsel mit den gleichen ?Überfunktionen" und der gleichen ?Überfeinerung" wie eine Raumkapsel zu gestalten. Die Teile würden maßgeschneidert und dem jeweiligen Stand der Technik und den sich verändernden Wünschen der Bewohner entsprechend immer neu aufgerüstet. Zur gleichen Zeit entstand auch Plug-in City und in der Wohnkapsel wurde bald das ideale Element zum Auffüllen der Megastruktur gesehen. Die Verwendung von Megastrukturen werden mit dem schwer vorhersehbaren Wachstum der Städte begründet, da es keinesfalls ein fremdes Nebeneinander von einzelnen Teilen geben dürfe. Daher könne die Antwort nur in einer großmaßstäblichen Raumkonstruktion liegen.

 

Plug-in City

Das Konzept der ?Plug-in City" von Archigram weist gewisse Verwandtschaft mit den Ideen der japanischen Metabolisten auf. Auch hier wird unterschieden zwischen Primärstrukturen von langer Nutzungsdauer und eingesetzten Raumelementen von kürzerer Verbrauchsdauer. Weisen die Primärstrukturen bei den Metabolisten zumeist ?Beton-brutalistischen" Charakter auf, sind die Formen der Primärstruktur von Archigram auf eine neutrale, filigrane Diagonalstruktur aus Stahl reduziert.

Archigram definitiert Plug-in City folgender Maßen:

Die Bauten, die wachsen und schrumpfen können, werden immer weiter verdichtet; und es wurde einfach unvermeidlich, einmal auszuprobieren, was passiert, wenn eine ganze Stadt für einen dauernden Austausch aller Elemente programmiert wird.

Die Plug-in City besteht aus einem großmaßstäblichen regelmäßigen Tragwerk, das alle technischen Dienste und alle Erschließungswege zu jedwedem Ort enthält. In dieses Tragwerk werden Wohneinheiten mit allen Funktionen eingehängt. Diese Wohneinheiten sind so geplant, daß sie, wenn veraltet, entfernt werden können. Sie werden durch Kräne bewegt, die von Schienen oberhalb des Tragwerks aus manövriert werden. Das Innere der Wohnkapseln enthält verschiedene maschinelle und elektronische Einrichtungen, die die alltägliche Arbeit ersetzen sollen. Für die Lebensdauer solcher Kapseln haben wir folgendes gedacht:

 

Bäder, Küchen, Fußbodenbelag im Wohnraum: 3 Jahre

Wohnraum, Schlafzimmer: 5 - 8 Jahre

Standort der Wohneinheiten: 15 Jahre

Arbeitsplätze, Computer und ähnliches: 4 Jahre

Parkgaragen und Straßen: 20 Jahre

Tragwerk: 40 Jahre

Zusätzlich zu den großen Kranbahnen gibt es kleine Kräne und mechanisierte Gleitbahnen und Teleskoparme.

 

Die Landkarte (j) zeigt, wie man sich eine optimale Verteilung der Plug-in City über ganz England vorstellen könnte. Alle bereits bestehenden Orte mit einer großen Bevölkerungsdichte werden untereinander verbunden und ergeben dann, eventuell, eine einzige große vernetzte Stadt.

Der hochverdichtete Bereich von Plug-in City wird als typisches Ergebnis der Überlagerung des Plug-in-Systems mit der Stadt London gesehen (b). Die wichtigsten Straßen laufen Ost-West durch die alten Mischzonen, die ?Zonen der Dämmerung". Sie liegen tangential zu einer kontinuierlichen Wegstrecke durch Zentraleuropa bis nach Schottland. Im Schnitt durch den hochverdichteten Bereich (a) sieht man die Straßen A und B als tiefe Einschnitte, die für die Beweglichkeit der Kräne den notwendigen Freiraum schaffen. In diesen Einschnitten gibt es vielerlei Kranbahnen. Wichtige Zubringerstraßen und Leitungssysteme laufen parallel zu diesen Einschnitten. Fußgängerstraßen sind meist senkrecht zu diesen Hauptwegen angeordnet. Wenn sie von Hauptgeschoß zu Hauptgeschoß führen, gibt es meist kleine Fahrzeuge oder Kabinen (Travelators), zur Überwindung einzelner Geschosse gibt es Treppen und Aufzüge. Der Schnitt zeigt die wichtigsten Charakteristika von Plug-in City: das diagonale Tragwerk aus Röhren mit etwa 3 Meter Durchmesser, die sich im Abstand von 50 Metern kreuzen und dort durch Knoten, die je acht Röhren aufnehmen können, verbunden sind. Je zwei dieser Röhren enthalten einen Hochgeschwindigkeitslift, je zwei einen langsameren Fahrstuhl zur örtlichen Erschließung. Je zwei Röhren dienen als Fluchtwege, die restlichen zwei führen die Leitungssysteme. Geschloßflächen werden dort eingehängt, wo sie notwendig sind, meist gehalten durch ein sekundäres Tragsystem.

 

Es gibt eine Hierarchie der eingefügten Nutzungselemente aufgrund ihrer Lebensdauer, es gibt aber auch eine berechnete Abhängigkeit zwischen der Größe des Tragwerks und den Lasten, die auf den eizelnen Knoten entfallen.

Daraus ergibt sich aber auch die Position der Elemente und die Geschwindigkeit der Operationen. Die Elemente mit der längstenLebensdauer erscheinen vor allem an der Basis des Schnitts. Die kurzlebigsten Elemente sind eher am oberen Rand oder an den äußeren Rändern vorgesehen. So ist die schwere Schienenbahn am Fuß der Anlage plaziert, die versiegelten Umweltgondeln erscheinen am oberen Rand. Auch die Schnellstraßen und Einschienenbahn liegen ganz oben, während die Parkdecks unten angelegt sind. Die untere Mittelzone wird normalerweise Geschäfte und Wege zum Bummeln aufnehmen. Hier wird der zentrale Platz entstehen, hier werden die Fahrstühle mit hohen Geschwindigkeiten enden. (Archigram)

Weitere Projekte von Archigram, auf die im Folgenden nicht näher eingangen werden soll, sind:

Interchange, Walking City, Living Pod, Blow-Out Village, Living 1990, Cushicle, Control and Choice, Metamorphose, Suitaloon, Instant City, Addhox, Kraterstadt und Heckendorf.

Die Projekte nach Plug-in City bezeichnet Archigram als Befreiung von der Hierarchie der Bauteile, wogegen Plug-in City in vielerlei Hinsicht noch ein Ersatz für ?Stadt", und die Wohnkapseln immer noch ein Ersatz für Wohnhäuser in Serie wären. Trotzdem habe ich Plug-in City für eine nähere Betrachtung gewählt, da Archigrams vorangegangene Ideen und Gedanken durch Peter Cook in diesem Projekt zu einer komplexen Stadtutopie und Städtevernetzungsutopie integriert wurden.

William Katavolos

Die "Chemische Stadt auf dem Meer" findet im Bereich der Kunststoffe ihre Anwendung. Explosionsartig entstehende Formen einer unmittelbaren Architektur, die immerfort wandlungsfähig ist im Hinblick auf gewünschte Festigkeit, vorbestimmte Richtungen und vorausberechnete Zeiträume

Klimakuppel über Manhattan (1962)

Richard Buckminster Fuller

Das Prinzip des räumlichen Tragwerkes zum Überspannen von großen Räumen fand neben seiner kommerziell-industriellen Verwertung auch seine utopische Fortsetzung bei Richard Buckminster Fuller.

Ein solches von ihm entworfenes Modell einer Klimakuppel soll einen Teil von Manhattan überwölben und vor den Unbilden der Witterung schützen.

ZUM SCHLUSS

Der Mensch wurde von der Natur unter den irdischen Lebewesen mit der höchsten Intellegenz ausgestattet, doch daher resultiert auch der größte psychische Druck auf ihm, denn er ist sich seiner Handlungen und ihren Auswirkungen bewußt. Bewußtsein kann aber beim Menschen hervorrufen, daß er mit seiner Lage unzufrieden ist, da er sich im Geist Varianten und Alternativen zur Situation erschaffen kann, die die gegenwärtige Situation als schlecht erscheinen läßt. Verstrickt in Dualität analysiert, ordnet, wertet der Mensch seine Umgebung und verliert das Gefühl der Einheit und der absoluten Gegenwart, im Gegensatz beispielsweise zu Insekten, die zu jeder Zeit, in jeder Lage ihre Situation akzeptieren und versuchen, auch mit der größten Schwierigkeit zurechtzukommen, zu überleben, um ihre Nachkommenschaft zu sichern. Mit steigender Intelligenz der Lebewesen erhöht sich die Eventualität zur Unzufriedenheit mit der befindlichen Lage.

Am Ende der gegenwärtigen Kette entwickelter Lebewesen steht der Mensch, der mit Hilfe seiner Technologie Umweltbelastungen verursacht. Er ist sich aber dieser Tatsache in starkem Maße bewußt, aufgrund seiner dualistischen Gedanken, welche vermögen, die Dinge wertend einander gegenüberzustellen, wodurch er ?Nutzen" und ?Schaden", ?Gut" und ?Schlecht", usw. nach moralischen Aspekten abzuwägen vermag. Bestrebungen um Macht, Besitz, Konkurrenzfähigkeit, Fortpflanzung usw. erinnern uns zwar ständig an unsere Ähnlichkeit mit den Tieren, bestimmen aber trotzdem weitgehend unser handeln. Unsere Handlungsweise erscheint uns einerseits natürlich, erforderlich, auferlegt von der Natur, aber gerade der Mensch vernimmt mit seiner Vernunft und seinem Verstand eine weitere Stimme, die diese Bestrebungen als Ursache für ein zerstörerisches Miteinander erkennt. Seit alters her beschäftigen sich daher die Gedanken der Menschen mit der Überwindung der natürlichen und der Schaffung humanistischer Gesetze.

Die Utopien, die sich unterschiedlichsten aktuellen Problemstellungen annehmen, spielen in diesem Zusammenhang auch eine nicht unwesentliche Rolle, da sie auch den Versuch der Überwindung, der Veränderung, der Neuordnung, usw. zum Ausdruck bringen.

Obwohl die Kreativität und Vorstellungskraft vieler Utopisten bemerkswerte Bilder und Visionen geschaffen hat, wirken Utopien generell bei näherer Betrachtung und vor allem in Beziehung auf die komplexen Zusammenhänge in Gesellschaft, Natur, usw. im starken Maße vereinfachend und unsensibel, da in Megastrukturen und Ähnlichem der menschliche Maßstab gnadenlos untergeht. Diese Beobachtung sollte nicht verwundern, wenn man sich vor Augen führt, welche Größendimensionen insbesondere bei Stadtutopien oft nur von einer Person erdacht werden. Das Interessante an Utopien ist wiederum der unkonventionelle und freie Umgang mit Themen, die realistisch betrachtet zäh, statisch und unlösbar wirken können. Mit den Utopien hat man die Möglichkeit einer ungebundeneren Betrachtungsweise, so daß man angeregt ist mit- oder weiterzuspinnen oder sich über sie zu ärgern, denn in ihnen klingen sowohl Übermut, Größenwahn, Ichbezogenheit, überhöhtes Selbstvertrauen, Unmenschlichkeit als auch Euphorie, Lebenslust, Anarchie. Obwohl Utopien durchaus inspirieren und entkrampfen können, erscheint es mir wichtig zu betonen, daß man Utopien nicht versuchen sollte in die Realität umzusetzen, allein aus den Gründen die oben beschrieben wurden.

Nur in der Überwindung utopischer Geisteshaltung und in der Selbstdisziplinierung zu realistischem Denken liegt eine Hoffnung auf Verbesserung unserer Lebensbedingungen.

Ernst Bloch

Es stellt sich angesichts der gegenwärtigen Situation für mich die Frage, worin sich Hoffnung überhaupt begründen läßt.

 

LITERATURVERZEICHNIS

Helmut Weihsmann

Utopische Architektur - Von Morus bis Hausrucker & CO.

 

Christian W. Thomsen

Architekturphantasien - Von Babylon bis zur virtuellen Architektur

 

Fröhlich & Kaufmann

Stadt und Utopie - Modelle idealer Gemeinschaften

 

Zürcher Hochschulforum Band 9

Utopien - Die Möglichkeit des Unmöglichen

 

Academy Editions

Kisho Kurokawa - From Metabolism to Symbiosis

 

Peter Cook / Warren Chalk / Dennis Crompton /

David Green / Ron Herron / Mike Webb

Archigram


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