Wright's organische
Architektur
und Tao
Chih-Hsing Shen
M. Eray Özkan
Vorwort
Wenn man sich mit organischer Architektur beschäftigt ist die Auseinandersetzung mit Frank Lloyd Wright, der sich das organische Bauen zur Lebensaufgabe machte, ein wesentlicher Bestandteil dessen. Seine Bauwerke, Bücher, Vorträge und Gespräche erläutern und verdeutlichen seine Auffassung von organischer Architektur.
Als Wright auf Tao stieß, stellte er fest, daß der zentrale Gedanke der organischen Architektur von Laotse, Gründer des Taos, fünfhundert Jahre vor Jesus sehr deutlich ausgesprochen wurde. Taoismus und Buddhismus haben seit über zweitausend Jahren parallel die fernöstliche Kultur tief beeinflußt. Der später entstandene Zen-Buddhismus ist eine Synthese beider und sieht sich als die Essenz des Buddhismus. Sein Interesse für die praktische Ausübung statt der philosophischen Vertiefung, verdeutlicht insbesondere seine taoistischen Merkmale. Wir haben daher Aspekte der Zen-Literatur, die sich mit dem Taoismus decken, auch in unserem Essay verwendet.
Tao und die organische Architektur Wrights als Thema zu bearbeiten entstand aus dem Interesse für eine ungebundene, die allgemeinen Verstrickungen überwindende Lebensweise in Bezug, zu einer möglicherweise die Richtungsdogmen und Architekturmoden überwindende Architektur, die sich mit der Gegebenheit Ort und den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen auseinandersetzt.
Die Idee der organischen Architektur
Die organische Architektur enthält das Prinzip der Flexibilität. Sie versteht sich als Integration in den Ort. Nachahmung und Imitation werden von ihr als Methode abgelehnt, da die Einzigartigkeit jedes Ortes eine Auseinandersetzung mit jedem Ort im Einzelnen erfordert, die zu einzigartigen Lösungen führen. Das Gebäude schafft eine starke Beziehung zum Boden und zur Landschaft, es beinhaltet die Materialien des Ortes oder zumindest die, die dem Ortscharakter entsprechen. Die Kreativität des Architekten und die Inspiration durch den Ort führen zu den organischen Formen, die nicht als Nachahmung der Naturformen zu verstehen sind. Was Wright das Organische nennt ist daher nicht zu verwechseln mit dem Begriff des Organhaften bei Häring. Die Variabilität der organischen Architektur machen den Versuch einer Definition über ihre Erscheinungsformen absurd.
Eigenschaften organischer Architektur
Eine humanistische Idee
Die organische Architektur orientiert sich am Maßstab der Menschen. Ihre Bedürfnisse werden zum zentralen Prinzip des Entwurfs. Sie versucht Menschen aus ihren beengten Verhältnissen zu befreien, indem für jeden Menschen ein angemessener Lebensraum gefordert wird. Mit Hilfe der modernen Technik, die die Vernetzung und Kommunikation über große Entfernungen ermöglicht, soll ein gehobenes Raum- und Lebensgefühl verwirklicht werden. Die organische Idee soll dem Menschen ermöglichen, Vertrauen in das Leben und in die eigene Natur zu finden.
Form und Funktion sind eins
"Die Form folgt der Funktion" wird von den Funktionalisten Häring und Greenough gefordert. Es gibt eine starke Beziehung zwischen Form und Funktion. Wright versucht die Dualität zwischen hier Form und dort Funktion mit der Forderung
?Form und Funktion sind eins" zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen. Organisch ist eine Architektur, welche diese Beziehung anerkennt und in die Mitte der Arbeit stellt.
Eine umweltanpassende Ästhetik
Organische Architektur entsteht als Integration in den Ort, die die Ortsgegebenheiten als wichtige Bedingung im Entwurf berücksichtigt. Sie drückt sich bei Wright insbesondere in dem Gefühl für die Natur aus. Seine Bauten erwachsen aus tief gegründetem menschlichen Bedürfnis und fügen sich organisch, in die sie umgebende Natur, ein.
Wright zum Thema organisch
Das Wort organisch bezeichnet in der Architektur nicht lediglich das, was in einem Fleischladen hängen kann, auf zwei Füßen herumgeht oder auf einem Feld angebaut wird. Das Wort organisch bezieht sich aufs Wesen; vielleicht wäre es besser, das Wort integrierend oder wesentlich zu benutzen. Wie es ursprünglich in der Architektur verwendet wurde, bedeutet organisch: Der Teil verhält sich zum Ganzen, wie sich das Ganze zum Teil verhält. Wesen als Integrierendes ist deshalb das, was das Wort organisch wirklich heißt. Wesentlich.
Organische Architektur - ist eine natürliche Natur - die Architektur der Natur für die Natur.
Wrights organische Architektur aus der Perspektive des Taoismus
Was ist Tao ?
Es gibt ein Verschwommenes und Ununterscheidbares
Das Himmel und Erde vorausgeht.
So unterschiedslos! So verschwommen!
Doch in ihm ist Gestalt.
So dunkel! So verworren!
Ruhig, aber immerzu waltend.
Es tut nichts, und dadurch bleibt nichts ungetan.
Auf das Vollbrachte legt es keinen Wert.
Es liebt und nähret alle Dinge und spielt doch nicht den
Herren über sie.
Ich kenne seinen Namen nicht.
Ich nenne es Tao.
Laotse
Das Wort Tao beinhaltet verschiedene Bedeutungen, wie z.B. Gott, Natur, das Absolute, das, wodurch alle Dinge entstehen, die große Leere, der Sinn. Es kann das gewöhnliche Bewußtsein, ein Naturgesetz oder der Makrokosmos sein. Es ist vage, formlos und flexibel. Das Wesen des Tao entzieht sich aufgrund seines unbegrenzten Inhalts einer Definition. Es kann weder durch den Verstand noch durch die Vernunft erfaßt werden.
In den nächsten vier Abschnitten werden wir Wrights organische Architektur mit einigen Aspekten des Taos vergleichen und versuchen die Gemeinsamkeiten beider herauszustellen:
Natur und Mensch sind Eins
Tao ist das allumfassende große Universum, die alles beinhaltende Leere aus dem alles kommt und in den alles geht. Der Mensch ist ein Bestandteil dieser großen Leere, daher nimmt er im Taoismus keine übergeordnete Stellung ein. Aus taoistischer Sicht folgen die Dinge einer unsichtbaren inneren Disziplin. Der Taoist empfindet ein tiefes Vertrauen in die eigene Natur: Was aus der natürlichen Reaktion der Menschen herrührt wird nicht falsch sein.
Der Verstand ermöglicht dem Menschen sich seines eigenen Ichs bewußt zu werden, sich von der Natur gesondert zu betrachten. Diese Unterscheidung ist das Werk des Intellekts, der seinen Platz im praktischen Leben hat und ohne den der Mensch nicht auskommen kann. Ein Eindringen in den geistigen Bereich aber bleibt ihm vorenthalten, da sich das Wesen des Taos mit den Mitteln der Logik nicht erfassen läßt. Die Verselbständigung des Intellekts führt zu einer egozentrischen Sichtweise, welcher bemüht ist, die Umwelt den egoistischen Vorstellungen entsprechend zu verändern. Der
?Ich" bezogene Mensch versucht die Natur seinen Möglichkeiten entsprechend zu bezwingen, zu erobern und zu unterwerfen, da er sie fürchtet. Der Taoist bemüht sich sein Leben in Harmonie mit der Natur zu führen, indem er es annimmt. Er versucht sich von seiner dualistischen Sichtweise zu befreien, indem er sich, seiner von der Vernunft auferlegten Beschränkungen, entledigt. Selbstvergessenes, ichloses Handeln stellt den erleuchteten Zustand als ?höchste Stufe" des Lebens dar, bei dem der Mensch eins wird mit der Natur und das große Universum sich seinem kleinen öffnet. Der taoistische Mensch durchläuft in seinem Leben bis zur Erleuchtung drei Zustände:Der erste Zustand entspricht dem Neugeborenen, der sich seiner Selbst nicht bewußt ist. Im Taoismus wird dieser Zustand als
?primärer Naturzustand" bezeichnet. In der zweiten Phase entfaltet sich das Bewußtsein. Der Mensch ist bemüht sein Wissen anzuhäufen und seine technischen Fähigkeiten zu perfektionieren. Er befindet sich im ?Gelehrtenzustand". In der dritten Phase überschreitet der Mensch seine technischen Fähigkeiten, so daß das Können zu einem ?nichtgekonnten" Können wird, das aus dem Unbewußten erwächst. Dieser Zustand der Unbewußtheit wird aber nur erreicht, wenn er von seinem Selbst vollkommen frei ist, wenn er eins ist mit der Vollkommenheit. Der letzte Zustand entspricht dem ?wiedererlangten Naturzustand" des Erweckten. Obwohl der Mensch seine Kindlichkeit zurückgewinnt, betont der Taoist den wesentlichen Unterschied zum ?primären Zustand".
Die Charakterisierung der Natur durch Wright:
Natur bedeutet nicht einfach
?draußen im Freien", Wolken, Bäume, das Gelände und das Leben der Tiere, sondern bezieht sich auf ihre Natur wie auf die Natur von Baustoffen oder die ?Natur" eines Plans, eines Gefühls oder eines Werkzeugs. Auf einen Menschen oder alles, was ihn betrifft - von innen her. Die innere Natur. Das innewohnende Prinzip.Wright
Hier wird die Ähnlichkeit zwischen Wright und Laotse im Bezug auf die Natur deutlich, wenn man das
?innewohnende Prinzip" mit Laotses ?ich kenne seinen Namen nicht - ich nenne es Tao" vergleicht. Sowohl Wright, als auch Laotse verstehen unter dem Begriff Natur nicht bloß das Sichtbare in ihr, sondern mehr die unergründbare Kraft, die aus ihr kommt. Wright liebte diese Natur in seiner ganzen Mannigfaltigkeit und seiner eigenen Wirklichkeit. Seine Werke spiegeln deutlich seinen Respekt und sein Wunsch nach Harmonie mit ihr wider. Auch das starke Vertrauen in die Prinzipien der Natur zeigt deutliche Parallelen. Daher wundert es nicht, daß bei beiden ?Natur und Mensch sind Eins" als höchste Stufe angesehen werden. Dieser Gedanke wird in Wrights Architektur in der Thematik "organischer Einheit" klar reflektiert:
So werden Umgebung und Gebäude eins: Das Außen ins Gebäude kommt und das Innen hinausgeht. Garten und Haus können jetzt eins Sein. In jeder guten organischen Konstruktion ist es schwer zu sagen, wo das Haus beginnt oder endet und der Garten beginnt.
Wright
Abstraktion
[...] Unter
?Abstraktion" verstehe ich das innerste Wesen einer Sache - jedweder Sache -, ihr Muster, als die Substanz der Wirklichkeit. Von zufälligen Ergebnissen abgesehen, würde der Kern eines Gegenstandes im Fortlassen alles unwesentlichen liegen, wenn dieses gut ausgeführt und die Natur getreu wiedergegeben, von dem wahren Künstler in Modellen ausgedrückt wird: die lineare und räumliche Bedeutung der inneren Wirklichkeit - das ist es, was in Form zu bringen ist. [...] Unsere Sitten und Gebräuche sind alle derartige Abstraktionen oder sollten es wenigstens sein; und als solches entsprechen sie der großen Abstraktion, die wir Zivilisation nennen. [...] Echte menschliche Abstraktionen werden gewöhnlich zu Ritualen. Die einmal gebildete ursprüngliche Abstraktion wird, obwohl das Ritual veralten kann, vom Menschen liebevoll gehegt, weil die Rituale das überlieferten, was seine Art einst schön zum Sehen, Fühlen, Hören oder Denken hielt.Dieses Festhalten am Begrifflichen als Schönem geht so weit, daß heute nur wenige Lebende in jenen Abstraktionen -toten Kulturen- das erkennen können, was sie wesentlich von den noch lebendigen unterscheidet. Der Begriff
?Geschmack" verwirrt sie immer noch, verworren wie er ist im großen Urwald des frühen Abstrakten. Der heimatlose oder käufliche ?Geschmack" hat in den unendlichen Weiten des Abstrakten die Richtung verloren. Darum brauchen wir den Propheten, auf daß er immer neue, vom Zufall befreite Bestimmungen für das Leben in größerer Übereinstimmung mit dem ewigen Gesetz der Wandlung bilde. [...][...] Aber niemals sollten wir uns heutzutage in die Fesseln und Fallen eines Stiles verstricken. Bestimmt nicht, wenn es dem natürlichen Bauen freisteht, mit dem fabelhaften Rüstzeug von innen heraus zu leben. Schon die Idee ist vital und faszinierend. [...]
Wright
Das Tao ist formlos und vage
Es ist verbogen, geheimnisvoll und dunkel
Es ist der Ursprung aller Dinge
Laotse
Weil es der Ursprung aller Dinge ist, kann das Tao keine bestimmte Form haben. Das Tao ist kein festes Dogma, sondern eine unsichtbare Naturkraft:
Ohne Form ist die Quelle aller Formen
Wright versuchte das Anhaften seiner Zivilisation an veralten Ritualen durch neue Abstraktionen zu ersetzen. Diese Abstraktionen haben ihr Grundprinzip im Gesetz der ständigen Wandlung von allem. Die Fähigkeit, die Abstraktionen hervorzubringen, wurde auch bei Wright durch ein starkes Vertrauen in die eigene Natur begründet. Auch seine Betonung des
?Hier und Jetzt" für eine moderne Architektur weist Parallelen zum Taoismus auf, beim dem eine Existenz außerhalb der absoluten Gegenwart nicht bestehen kann.Die Abstraktion ist keine Nachahmung der traditionellen Stile oder keine bestimmte Form der Natur, sondern das Gefühl nach innerer Wirklichkeit. Wright bediente sich der Abstraktion, um die Formen und vorherrschenden Rhythmen der Landschaften echohaft wiederzugeben. Er wollte eins sein mit der Natur, während er zugleich abstrakte Plattformen und plastische Massen dagegen abgrenzte und aufbaute, die die Formen der Natur mit den Mitteln menschlicher Geometrie verbindete. Wright
¡¦s ?Abstraktion" weist eine gewisse Ähnlichkeit zu Laotse¡¦s ?ohne Form" auf. Beide charakterisieren Form durch Flexibilität, Abwechslungsreichtum und Unendlichkeit.Wrights vordringliches Interesse war abstrakt. Er versuchte die Abstraktion im Raum erstens als rhythmisch - geometrische Gebilde darzustellen und zweitens wünschte Wright den so geschaffenen Hohlraum derart zu umschließen, daß er oder seine Wirkung auch nach außen durch die plastische Gliederung des Baukörpers in seinen Gesamtheit dargestellt wurde.
Vincent Scully Jr.
Humanistische Gedanken
Humanität ist ein Grundsatz, der durch sämtliche Werke Wrights hindurch konstant bestehen bleibt. Wo immer der Mensch in Relation zu Wrights Bauten gesetzt wird, steht er deutlich erkennbar im Zentrum. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Gedanken befaßte sich daher mit der menschlichen Psyche und dem menschlichen Maßstab. Im Tao haben wir keine direkte Benennung der Humanität gefunden und sie nimmt auch keine zentrale Stellung ein, aber Laotses Gedanken beinhalten sie auf ganz natürliche Weise.
Wenn wir jetzt für einen Augenblick zu dem zentralen Gedanken der organischen Natur zurückgehen wollen, so war es Laotse, fünfhundert Jahre vor Jesus, der, soweit ich weiß, als erster erklärte, daß die Realität des Gebäudes nicht in den vier Wänden und dem Dach bestehe, sondern dem Innenraum innewohne, dem Raum, in dem man lebt.
Wright
In einigen Werken Wrights ist die Ausgewogenheit in den Proportionen, die kraftvolle Verwendung der Materialien, die Integrität mit der Landschaft besonders deutlich spürbar. Die Behaglichkeit (die wir leider nur aus den Abbildungen entnehmen können) ist Ausdruck der harmonischen Einheit oben erwähnter Entwurfskriterien. Wright besaß ein starkes Gefühl für die Eigenart eines jeden Materials: er verwendete sie oft unbehandelt, naturbelassen, massiv und ihrem Wesen entsprechend an. Licht war für ihn ebenfalls ein Material der Architektur. Wright benutzte die Materialien so, daß sie die menschlichen Sinne in harmonischer Art und Weise ansprechen. Das Bauwerk berührt nahezu alle Sinne des Bewohners, dadurch wird es für ihn erlebbar. Bei Wrights Bauweise bewegt sich der Mensch um einen bereits vorhandenen Mittelpunkt. Seine Architektur besitzt keinen sich feindlich gegen die Außenwelt verschließenden Charakter, sondern ist in freigiebiger Weise räumlich ausgreifend und plastisch. Darum übertreibt der Ausdruck der neuen Freiheit nicht, sondern befreit wirklich das Selbstbewußtsein des Menschen als Mensch.
Durch die Benutzung natürlicher Materialien, versucht er seine Architektur in Einklang mit der architektonisch organischen Einheit und in Harmonie mit der Natur zu bringen. Eine Voraussetzung für die inhaltliche Einheit, nach Wright, ist das Hervorgehen der Schöpfung aus der Meisterschaft eines Geistes. Die Beteiligung von Experten und Spezialisten im Entwurfsprozeß ist für ihn gleichbedeutend mit der Zergliederung der Architektur und dem Verlust des Inhalts und der Ganzheit. Wright
¡¦s Gedanken drücken sich in der Schlichtheit seiner Architektur aus, die sich auf die Möglichkeiten des Architekten beschränkt. Hier kommt der humanistische Aspekt im Schaffungsprozeß zur Geltung, der die Einheit seiner Werke bedingt. Die Maschine wird von der organischen Architektur nur als Werkzeug für größere Freiheit akzeptiert.Organische Architektur entsteht nach Wright durch Inspiration. Daher kann man seine Neigung, die organische Architektur in die Landschaft einzufügen, gut nachvollziehen. Sie bietet gegenüber der überladenen Stadt die Harmonie und Vielfalt der Natur. Seine Werke in der Natur erfüllen den humanistischen Anspruch, nach angemessenem Lebens- und Entfaltungsraum.
YIN-YANG - Theorie
YIN: das weibliche oder negative Prinzip in der Natur
(passiv, dunkel, absteigend, die Erde)
YANG: das männliche oder positive Prinzip in der Natur
(aktiv, hell, aufsteigend, der Himmel)
Die vereinfachte Yin - Yang Philosophie:
Alle Erscheinungsformen dieser Welt entstehen durch das Zusammenfließen beider Kräfte - Gegensätze schließen sich nicht aus, sondern verbinden sich zu einer Einheit, die über beiden Energien steht. Yin und Yang sind zwar Gegensätze, doch sie bedingen sich gegenseitig, so daß keines von beiden ohne den anderen existieren kann. Ihre Beziehung zueinander ist daher nicht dualistischer Art. Das Tao geht davon aus, daß alle Dinge sich ständig verändern - im Fluß sind. Ein Grundgesetz der Schöpfung ist, daß es nichts Beständiges außer dem Wandel gibt. So wandelt sich der Morgen zum Mittag, dieser in den Abend und jener in die Nacht. Die Jahreszeiten durchlaufen den Kreislauf von Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Alles Lebendige wird alt und stirbt, dafür wird Neues geboren. Das Leben durchläuft die vier Phasen, des Geborenwerdens, der Entwicklung, der Reife und des Sterbens. Der Tod bedeutet aber nicht das Verschwinden aus dem Leben, da das Gestorbene im ewigen Naturkreislauf wieder eingebunden wird. Yin und Yang sind in diesen Phasen stets als zunehmende bzw. abnehmende Kräfte gegenwärtig. Um in Harmonie zu leben, ist es gut, die gegenwärtigen Energieverteilungen - das Verhältnis von Yin und Yang - zu kennen und sein Leben im natürlichen Fluß der Dinge zu leben.
Das YIN-YANG - Symbol:
Yin und Yang sind zwar Gegensätze, doch sie beinhalten ein Teil vom anderen.
Die Kurve zwischen Yin und Yang deutet auf ihre Beziehung als unendliche Umdrehung und Umschließung.
Yin - Yang bezogen auf die Architektur:
Ein harmonischer Zustand liegt beim Taoismus vor, wenn sich die Gegensätze Yin und Yang im Gleichgewicht befinden. In Wrights Werken ist die Auseinandersetzung mit dem Gedanken, des positiven und negativen Raumes stark, vertreten. Er sah seine Architektur in der Wechselwirkung mit der Umgebung entstehen und versuchte beide in Einklang zu bringen. Architektur, die sich lediglich auf das Gebäude konzentriert und das Umgebende ignoriert, bezeichnete Wright als inhalts- und orientierungslos. Wie beim Tao geht es auch in Wrights Architektur um die großen Zusammenhänge. Er verfiel nicht der kleinkarierten und beschränkten Sichtweise, die sich nicht über die eigenen vier Wände erheben kann, sondern behielt die Übersicht, damit sich das Zugefügte zum Vorhandenen harmonisch verhielte. Intellektualismus konnte, aus der Sicht Wrights, keine organische Architektur hervorbringen, denn sie müsse aus dem Licht des Geistes hervorgehen, also aus einem transzendentalen Schaffungsprozeß entstehen.
Das Bestreben Wrights nach harmonischer Einheit zwischen Landschaft und Bauwerk, setzte sich im Inneren des Gebäudes fort. Ein positives, raumgreifendes Element wirkt nicht allein durch sich selbst, sondern viel mehr durch seine Wechselbeziehung mit dem negativen, raumgebenden Element. Wright setzte die Elemente und Räume, geleitet von seinem starken Gefühl für Raumproportionen, spannungsvoll in Beziehung. Er schuf eine Beziehung zwischen seinen Elementen, indem er das fließende Ineinandergreifen eines Raumes in den anderen andeutete. Ein weiteres Problem mit dem sich Wright auseinandersetzte war das der Raumkontinuität, ihre Gestaltung auch auf die äußere Gestaltung der Bauten und ihr Ausdruck im Bauwerk als einem einheitlichen Ganzen. Die räumlichen und materiellen Durchdringungen in Wrights Werken schaffen eine Bewegung, wogegen die ungebrochen-einheitlich-horizontalen Flächen wiederum Ruhe bringen. Zusammenhänge, die im Wechselspiel das Lebendige einer Architektur ausmachen, erschöpfen sich bei Wrights Architektur natürlich nicht mit dem oben genannten Beispiel. Dieses versucht nur die Parallelen zwischen Yin - Yang und seiner Werke herzustellen.
Er selbst formulierte sein grundlegendes Prinzip treffend so:
?Raum: das ewige Werden; unsichtbarer Quell, aus dem jeglicher Rhythmus fließt, und in den jeder übergehen muß. Jenseits von Zeit oder Unendlichkeit".Dieses Bild des
?endlosen Werdens", wie eines dahin strömenden Wassers, eines grenzenlosen Meeres oder einer unendlich weiten Prärie war ein konstantes Element in Wrights gesamtem Werk.
Guggenheim-Museum und Yin-Yang
Diese zwei Ideen von zwingender Kraft: die erste von der Umschließung in der idealen Höhle, die zweite von dem Sieg über die Zeit durch die Anwendung der ununterbrochenen Spirale,
?jenseits von Zeit und Unendlichkeit", wobei diese Spirale zyklisch und scheinbar endlos wiederkehrt - diese beiden Ideen also gewinnen ihren Höhepunkt im Guggenheim-Museum. (Vincent Scully)Wenn man die Spirale, das Hauptthema des Guggenheim-Museums, mit dem Yin-Yang - Symbol vergleicht, fällt einem wahrscheinlich die Formverwandtschaft zwischen beiden auf. Doch die Ähnlichkeit erschöpft sich auch schon in der Formverwandtschaft, denn inhaltlich gesehen erscheint uns das Guggenheim-Museum, behaftet vom Symbolischen, weit entfernt von der organischen Idee und noch weiter vom Tao. Wright versuchte in diesem Bauwerk Freiheit und Weite zu manifestieren, doch er bewirkte die Lenkung und Beschränkung des Besuchers.
Julius Posener und Vincent Scully beschreiben ihre Ansicht zum Guggenheim-Museum auf sehr eindrucksvolle Weise und ihre Passagen über dieses Bauwerk vermitteln einen näheren Eindruck.
Die Analyse der Werke Wrights
Typische Gestaltungsprinzipien und -elemente in Wrights Architektur, die mit dem Taoismus Ähnlichkeit aufweisen:
Offenheit der Grundrisse
In der traditionellen westlichen Architektur ist jeder Raum für sich, eine Welt in sich. Wrights Häusern liegen dagegen offene Grundrisse zugrunde. Bei seinen Einfamilienhäusern werden nur Arbeitsraum, Küche und Herrenzimmer getrennt, die restlichen Räume sind im Sinne des freien Plans offen gehalten. Die Offenheit bezieht sich auch auf die Beziehung Innen-Außen: die Räume werden vom Zentrum des Hauses, dem großen Kamin, in den Garten hinausgestreckt.
Offene Grundrisse werden in den traditionellen chinesischen und japanischen Wohnhäusern sehr oft angetroffen. Wrights offene Grundrissgestaltung zeigt, daß eine verwandte Denkweise zu ähnlichen Ergebnissen in einer anderen Kultur führen kann, denn der Grundgedanke der Offenheit zeigt sich schon in seinen frühen Werken, als er noch nicht in Berührung mit der östlichen Kultur gekommen war. Sein späterer Kontakt mit ihr, insbesondere mit der japanischen Kultur, perfektioniert die Offenheit seiner Architektur.
Veranda
In Wrights Einfamilienhäusern ist die Veranda, die durch ihre horizontalen Linien den Horizontalismus in Wrights Architektur verstärkt, der auffälligste Bauteil der Fassade. Diese architektonische Maßnahme reflektiert seine Naturverbundenheit, da diese langgestreckten Veranden den Kontakt mit der Umgebung gewährleisten, ohne das der Bewohner das Haus verlassen muß und verschafft ihm so einen angemessenen Bewegungsfreiraum.
Die Veranda nimmt in den fernöstlichen traditionellen Wohnhäusern eine wichtige Stellung ein. Vor allem sind es die traditionellen japanischen Wohnhäuser, die mit ihren umlaufenden Veranden eine besondere Beziehung zum Garten erzeugen. Der Verzicht auf Brüstungen und die offenen Fassaden erzeugen einen noch größeren Bewegungsfreiraum als bei Wright.
Freistehendes Einfamilienhaus
Wright baut gern solche Einfamilienhäuser, die tausend Meter vom nächsten entfernt sind. Da sein Ideal nach einem menschlichen Dasein tief verwurzelt ist, kommt es bei Wright zu einer ablehnenden Haltung gegenüber städtischen Lebens.
?Zurück zur Natur" entspricht seinem innersten Wunsch, auch wenn er diese Formulierung mißbilligen würde. Seine Ideen zu städtebaulichen und gesellschaftlichen Problemen basieren auf stark vereinfachten Vorstellungen, fordern die Auflösung der Städte und zeigen die Abwesenheit des sozialen Impulses. Sie entsprechen vagen Utopien, die einem kindlich-naiven Naturgefühl entspringen, das man gerne mit ihm teilt.Das zurückgezogene Eremitenleben ist ein bevorzugtes bei Taoisten. Natürlich unterscheidet sich das Leben im freistehenden Einfamilienhauses von der Lebensart in der Zurückgezogenheit, doch sind die grundsätzlichen Gedanken, des verminderten Kontaktes mit anderen Menschen und des verstärkten mit der Natur, ähnlich.
Der menschliche Maßstab
Niedrige Räume werden durch Fensterbände, Werksteinplatten, Werksteinbände in der Backsteinwand horizontal unterteilt. Die Deckenhöhe der Wohnhäuser Wrights werden durch den zur Decke gehörenden Fries, den obersten Teil der Wand, optisch noch niedriger. Hier wird von Wright, neben anderer architektonischer Methoden, der Horizontalismus, als Reflexion des humanistischen Gedankens benutzt, um den Menschen in die Mitte des Raumes zu stellen und den menschlichen Maßstab in der Architektur zu verwirklichen.
Wir haben das Unity Temple als Beispiel gewählt, da Wright selbst dieses Bauwerk als sein erstes Werk bezeichnete, daß mit organischer Absicht entworfen wurde. Bei der Betrachtung der Ansichten fällt als erstes ihre Schlichtheit auf. Durch die Zerstörung der Kiste bringt Wright zwar mehr Bewegung in die Fassaden, als gegenüber der ursprünglichen Idee eines Kubus
¡¦, aber der rohe Betonblock, der lediglich die Textur der Holzschalung trägt und die zumeist ungebrochenen Flächen, vermitteln dem Gebäude ein großes Maß an Bescheidenheit. Die Aufmerksamkeit des Betrachters richtet sich als erstes auf die sich abspaltenden Ecken, auf die horizontalen Mauerabdeckungen und auf die rhythmisch gegliederten, dekorativen Pfeiler. Interessant ist die versteckte Anordnung der Eingänge, womit Wright die ?Unversehrtheit" der Fassaden erreicht, sich aber damit stark von den traditionellen Gotteshäusern abgrenzt, bei welchen, dem Eingangsportal eine optisch besondere Bedeutung zu kommt. Wrights Abkehr vom Traditionellen zeigt sich sehr deutlich in seinem Horizontalismus, wodurch der Unity Temple seine nach menschlichem Maßstab geplante Natur widerspiegelt. Die geringe Gebäudehöhe, die Dachvorsprünge und die horizontalen Linien bezwecken eine natürliche Beziehung des Menschen zum Tempel, statt eines ehrfurchtsvollen Respekts. Auch im Gebäudeinneren bleibt die Atmosphäre human. Das Außenlicht fließt von oben und von allen Seiten herein. Die Dekoration des Innenraumes beruht, mit ihren rechteckigen Farbflächen und ihren senkrechten und rechtwinkligen Linien, auf streng geometrischen Prinzipien und zeigt Ähnlichkeit zu traditionellen japanischen Häusern. Unserem Empfinden nach versucht Wright die Aufmerksamkeit zu stark auf die Dekoration und somit auf sich zu lenken. Die stark gerahmten Farbflächen gönnen dem betrachtenden Auge keine Ruhe. Im Ganzen betrachtet, erkennt man aber deutlich die organische Idee, die diesem Bauwerk zu Grunde liegt.
Mit
?Fallingwater" zeigt Wright, daß Wahrnehmung in der Architektur nicht unbedingt nur auf das Sehen beschränkt sein muß: Das Haus wird in unmittelbare Beziehung zum Wasserfall gesetzt und bedient sich neben der optischen der akustischen Kraft der Natur; zugleich versorgt der Wald die Bewohner mit frischer Luft. Nahezu alle Sinne werden durch Natur und Architektur in angenehmer Weise angesprochen. Das Wirken Wrights erkennt man am engen Zusammenhang mit der Natur und an seinem Sinn für einfache Materialien. Sämtliche vertikale Elemente des Hauses sind in einheimischem Stein ausgeführt, mit leicht vorstehenden Steinen, um den Mauerflächen eine kraftvolle Wirkung zu verleihen. Im Innenraum verwendete Wright die gleichen unbehandelten Steine, die man im Außenbau findet, wodurch der Mensch inspiriert wird die Architektur auch taktil zu erfahren. Alle horizontalen Elemente, wie z.B. die exponierten Terrassenplatten bestehen aus gegossenem und weiß geputztem Beton, dabei wirken die Terrassen, die von allen Räumen erschlossen werden können, wie vereinfachte Felsplatten und spielen im Gesamtkonzept eine wesentliche Rolle. Sie unterstützen im starken Maße das Ineinandergreifen von außen und innen. Das Gefühl der Freiheit, das man in der Natur empfindet, versucht Wright durch den offenen Grundriß ins Gebäudeinnere zu führen: Der Mensch soll nicht abgekapselt sein, sondern sich auf angenehm natürliche Weise frei fühlen.Jedes Bauwerk ist ein Eingriff in die Natur und bedeutet daher eine gewisse Zerstörung. Organische Architektur mit der Integration als Prinzip versucht die Zerstörung minim zu halten und sich in die Natur einzugliedern. Fallingwater demonstriert diesen Gedanken in gelungener Weise.
Das Gebäude steht auf einem halbkreisförmigen Grundriß, auf der Nordseite ist das Erdreich zu einem Wall angeschüttet, die Südseite hingegen besteht nur aus einer über beide Stockwerke reichenden Glaswand, die im Winter die Sonnenwärme in das Haus bringt. Der südliche Dachüberstand ist so bemessen, daß die Glasflächen im Sommer beschattet, im Winter aber von den willkommenen Sonnenstrahlen erreicht werden können, und nimmt so Rücksicht auf den wechselnden Sonnenstand. Die Galerie mit den Schlafzimmern ist mit Stahlstäben von den Dachsparren abgehängt. Dadurch konnte das Erdgeschoß von allen Stützkonstruktionen freigehalten werden.
B. B. Pfeiffer
Das Wesen des Solar Hemicycle ist schlicht und bescheiden. Nordansicht und Südansicht unterscheiden sich, aufgrund ihrer wärmetechnischen Funktion, deutlich voneinander. Vor allem in der Nordansicht drückt sich die Einfachheit des Bauwerks durch archaische Verwendung von Material und Form aus. Wright reagierte auf die einfache Topographie mit einer einfachen Formensprache. Die monotone Ausstrahlung des Hügels wird durch die gewachsene Architektur zu einer ruhig-lebendigen Einheit verbunden. Für das Lebendige ist in erster Linie der Durchbruch durch den Hügel entscheidend. Sie vermittelt dem Betrachter ein einladendes Gefühl und verdeutlicht in starkem Maße die untrennbare Einheit zwischen Natur und Bauwerk. Die Ruhe der Nordansicht wird insbesondere durch die liegende Form des Hauses, die horizontale Linie des Holzdachs und die geschlossene Verwendung des grob gefügten, rauhen Bruchsteins, als dominierendes Material bestimmt. Die einheitliche Erdmasse des Hügels ist das Gegenstück zum Stein und schützt das Haus vor den kalten Winden. Das Leben der Bewohner orientiert sich in südliche Richtung, daher bietet die Südansicht ein verstärktes Variationsspiel in Form und Material. Neben dem Bruchstein der Nordseite gewinnen Holz und Glas eine gleichberechtigte Bedeutung. Die großen Glasflächen zum abgeschirmten Innenhof zielen neben dem Solarhaus-Effekt, auf eine Öffnung zur Landschaft. Wright versuchte die Trennung zwischen Innen- und Außenraum aufzulösen, indem er den Naturstein auch im Gebäudeinneren benutzte. Ein weiteres Symbol für das Ineinandergreifen zwischen außen und innen ist ein runder Pflanzenteich, der durch die Glasfassade geteilt wird.
Wright machte den Kreis zum Hauptthema seines Entwurfs, was sich sowohl in der halbrunden Grundrißform als auch in einigen kreisförmigen Elementen, wie z.B. Küche, Bad und Teich, ausdrückt.
Epilog
Wright wirkte in einer Zeit, in der die Industrienationen mit ihren permanent fortschreitenden technischen Errungenschaften immer massivere Umwälzungen herbeiführten. Überwältigt von den Möglichenkeiten der quantitativen Produktivität vervielfältigten die Industriegesellschaften, ihre sich überschlagenden Erfindungen, mit immer effizienteren Produktionsmethoden so gravierend, daß sich das Ausmaß der Umwälzungen nicht mit einigen Worte beschreiben läßt. Das Thema der industriellen Revolution verleitet zwar, neben seiner Entwicklung, sich noch stärker zu seinen Auswirkungen auf Natur und Mensch zu äußern, doch das käme der unaufhaltsamen Industrielawine im Kleinen nahe.
Scheinbar unbeeindruckt von den rationalisierenden und verallgemeinernden Prinzipien der Technik, die sich nahezu auf alle Lebensbereiche der Menschen übertrugen und den Menschen in Beziehung zur Technik setzten, verwirklichte Wright die Idee einer organischen Architektur, die den Menschen in Beziehung zur Natur sah und die Architektur verwurzelt mit dem Boden auf dem sie steht. Wrights Individualität und geistige Flexibilität spiegelt sich in seinen meisten Bauwerken wider, die sich mit Einfalls- und Variationsreichtum in den jeweiligen Ort integrieren. In seiner respektvollen Haltung der Natur und ihrem innewohnenden Prinzip gegenüber, sehen wir die größten Tendenzen zum Tao. Wir möchten Tendenzen aber noch einmal betonen, denn Laotses Naturverständnis verkörpert für uns ein Leben in einer Geisteshaltung, das sich von egozentrischen und dualistischen Gedanken befreit hat, um eins zu sein mit der Natur. Wright war Architekt, daher gebunden an materielle und gesellschaftliche Verpflichtungen, konfrontiert mit stereotypen Architekturmoden und der zunehmend rationalistischen Denkweise. Trotz der eher schwierigen Umstände verwirklichte Wright seine organische Architektur, gestützt von seinem Selbstvertrauen. Seine Ungebundenheit gegenüber vorgefaßten Architekturstilen, ermöglichte ihm eine ortsbezogene Bauweise, mit einer daraus hervorgehenden Formenvielfalt, die sich aber trotzdem mit der Funktion zu einer Einheit verbindete.
Wir haben am Anfang über die Industrielawine in der Vergangenheit gesprochen und wir möchten mit ihren Auswirkungen in der Gegenwart anknüpfen, denn sie rollt mit exponential steigender Geschwindigkeit und vernichtet den Lebensraum Natur gnadenlos. Unbegrenzt scheinen die Möglichkeiten moderner Technik zu sein, und sie faszinieren uns. Aber die Vernichtung der Umwelt ist der zu bezahlende Preis für sie, wie ein ganzes Jahrhundert anhaltender Verwüstung beweist. Trotz allem erhofft sich unsere, überwiegend technokratisch eingestellte Gesellschaft, den Ausweg aus der Zerstörung mit Hilfe der Technik zu bewältigen. Warum? Wir wissen, daß die gesellschaftlichen Zusammenhänge komplex sind und es geht hier nicht um eine Schuldzuweisung. Unsere einfache Frage entspringt, ähnlich wie Wrights Utopien, einem kindlich-naiven Impuls, aber dieser könnte der Ansatz für eine konstruktive Offenheit gegenüber möglichen Alternativen sein. Wright und andere Vertreter ganzheitlicher Denkweisen erscheinen uns in diesem Zusammenhang sehr modern.
Literatuverzeichnis
Frank Lloyd Wright - Humane Architektur / Wolfgang Braatz
Frank Lloyd Wright / Gabriele Leuthäuser
Frank Lloyd Wright - Ein Testament / Langen - Müller
Frank Lloyd Wright / Vincent Scully Jr.
Vorlesungen zur Geschichte der Neuen Architektur (1975-1933) / Julius Posener
Das Tao ist Stille / Raymond Smullyan
Die moderne chinesische Gestaltungstheorie / Chen, Jen-Hwe
Zen-Geist, Anfänger-Geist - Unterweisungen in Zen Meditation / Shunryu Suzuki
Leben aus Zen - Eine Einführung in den Zen-Buddhismus / Daisetz T. Suzuki